Frauensolidarität mit ägyptischen Frauen

Eine kleine Geschichte darüber, wie schwer es ist, etwas Gutes zu tun – Hilfsaktion für geschundene ägyptische Frauen

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Leidvolle Erfahrungen: Statt demokratischer, freiheitlicher Entwicklungen erleben viele ägyptische Frauen Gewalt. (Kreistags)frauen im Neckar-Odenwald-Kreis wollen einen kleinen Teil dazu beitragen, geschundenen Frauen aus Kairo eine Verschnaufpause zu verschaffen. (Foto: Ursula Brinkmann)

Mosbach. (ub) Der erste Impuls kam am 8. März dieses Jahres, dem Internationalen Frauentag. Zahlreiche Frauen, darunter einige Kreisrätinnen verfolgten den Vortrag von  Franziska Brantner, seit 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments für die Fraktion der Grünen. Die EU-Politikerin berichtete in Mosbach über die Rolle und die Beiträge der Frauen zur arabischen Revolution. Was sie berichtete, schockierte. Zunächst hätten Männer und Frauen in Ägypten gemeinsam für Demokratie gekämpft. Doch heute ist der Tahrir-Platz in Kairo, der für viele Ägypter zum Freiheitssymbol wurde, für viele ägyptische Frauen zum Ort der Gewalt geworden“, gibt Heide Lochmann Brantners Schilderungen wieder. Die SPD-Kreisrätin hat sich seither mehr informiert. Auch Dorothee Roos, für Bündnis90/Grüne im Kreisparlament, denkt an die düster-beklemmende Stimmung am Frauentag in der Alten Mälzerei zurück. „In Ägypten gibt es bei Demonstrationen gesteuerte Vergewaltigungen in der Menschenmenge.“

Diese Gewaltakte gegen ihre Geschlechtsgenossinnen in der arabischen Welt ließen die Frauen nicht los. Bald fragten sich alle neun Vertreterinnen im Kreistag: „Was können wir tun?“ Fraktionsgrenzen spielten keine Rolle. Es entstand die Idee, zwei geschundenen Frauen eine Auszeit zu ermöglichen. „Wir wollen eine Einladung aussprechen, hier nach Deutschland, hierher zu uns.“ Und Eva-Maria Grimm aus der CDU-Fraktion fügt hinzu: „Die Frauen sollen einerseits Abstand gewinnen, aber auch politische und bürgerschaftliche Arbeit von Frauen in Deutschland kennen lernen.“ Doch was so simpel scheint, ist bei näherer Betrachtung und im Realisieren alles andere als einfach. „Täglich sind wir mit neuen Entwicklungen konfrontiert“, schildert Dorothee Roos die Lage. Über Franziska Brantner wurden Kontakte zu einem Kairoer NGO-Zentrum geknüpft, in dem Opfer von Gewalt medizinische und psychologische Unterstützung erfahren. Das Angebot, dass zwei Frauen für eine gewisse Zeit in Deutschland eine kleine Auszeit nehmen können, wurde dort kommuniziert, und es wurden zwei Betroffene gefunden, die bereit sind zu kommen.


 


Die engagierten Frauen im Neckar-Odenwald-Kreis suchten auch den Kontakt mit der Landkreisverwaltung, stießen sowohl bei Landrat Dr. Brötel als auch bei einigen Mitarbeiterinnen auf offene Ohren. Indes, konkrete (auch finanzielle) Hilfe ist kaum möglich. Mit ihrem Wissen und ihren Kontakten aber wollen etwa die NOK-Frauenbeauftragte Angelika Bronner-Blatz, Renate Körber und Susanne Heering (Fachbereichsleiterinnen Soziales) die Aktion unterstützen. „Die bürokratischen Hürden auf beiden Seiten sind nun mal leider hoch“, müssen die Hilfsbereiten akzeptieren. Die auf 10.000 Euro geschätzten Gesamtkosten für einen sechswöchigen Aufenthalt inklusive Hin- und Rück-Flug, Visaverfahren, Versicherungen, Unterbringung, Verpflegung, therapeutische Begleitung und Dolmetscherin können nur durch private Spenden erbracht werden. „Dafür haben wir neun Frauen inzwischen ein Konto eingerichtet“, sagt Heide Lochmann. Auch gebe es eine extra Handynummer sowie eine E-Mail-Adresse. Wer Fragen hat oder Hilfe (in welcher Form auch immer) anbieten möchte, kann dort anrufen oder schreiben (s.u.).

Eine große Hilfe wäre den solidarischen Frauen etwa eine geeignete Unterkunft. „Idealerweise denken wir an eine Einlieger- oder Ferienwohnung in Mosbach“, wird Dorothee Roos konkret.  Die würde man für die fragliche Zeit (voraussichtlich September/Oktober) mieten. „So müssten die beiden gewisse Lebens- und Essensgewohnheiten nicht aufgeben; sie könnten etwas unternehmen und zu Fuß die fremde Stadt ein wenig kennenlernen.“ Trotz der vielen Hürden wollen sich die Odenwälder Frauen nicht entmutigen lassen. „Wir sind einfach neun Frauen, die anderen Frauen ein klein wenig helfen wollen.“

Info: Das Spendenkonto bei der Sparkasse Neckartal-Odenwald (BLZ 674 500 48) hat die Konto-Nr.: 10 01 38 26 78. Die Handynummer für Informationen zur Initiative der Kreistagsfrauen ist: 0179-31 85 252. Eine eigene E-Mail-Adresse wurde ebenfalls eingerichtet: kreistagsfrauen@gmx.de

Info-Flugblatt zum Download:

Flugblatt ägyptische Frauen

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