Mehr Bewusstsein fürs Thema „Asyl“ schaffen

Dekane und Landrat treffen sich zum jährlichen Gedankenaustausch

Mehr Bewusstsein fuer FLuechtlinge

Beim traditionellen Gedankenaustausch mit der Kreisverwaltung sagten die katholischen und evangelischen Dekane zu, sich für die Bewusstseinsbildung in Sachen Asyl einzusetzen (von links): die Dekane Ulrich Skobowsky und Gerhard Hauk, Sozialdezernentin Elisabeth Krug, die Dekane Rüdiger Krauth und Renate Meixner, Landrat Reinhard Frank und Dekan Hayo Büsing. (Foto: pm)

Main-Tauber-Kreis. (pm) Die fünf katholischen und evangelischen Dekane aus dem Main-Tauber-Kreis haben sich zum Jahreswechsel wieder mit Landrat Reinhard Frank und Kreis-Sozialdezernentin Elisabeth Krug getroffen. Bei dem traditionellen Gedankenaustausch stand vor allem das aktuelle Thema Asyl im Vordergrund. Der Landkreis ist für die Unterbringung, Versorgung und Betreuung von Asylbewerbern zuständig, was angesichts des steigenden Flüchtlingszahlen eine besondere Herausforderung darstellt. Die katholischen Dekane Gerhard Hauk (Tauberbischofsheim) und Ulrich Skobowsky (Bad Mergentheim) sowie ihre evangelischen Kollegen Hayo Büsing (Wertheim), Rüdiger Krauth (Adelsheim-Boxberg) und Renate Meixner (Weikersheim) boten an, für das Thema zu sensibilisieren.

Landrat Reinhard Frank berichtete, dass die Landkreisverwaltung aufgrund des Steigerung der Flüchtlingszahlen die Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber stark ausbauen müsse. Aktuell stehen in den beiden Gemeinschaftsunterkünften in Bad Mergentheim und Külsheim rund 195 Plätze zur Verfügung, bis Ende 2014 könnten bis zu 180 weitere notwendig werden. Das Land verteilt die Asylbewerber nach einem festen Schlüssel auf die Kreise. Bei der Suche nach geeigneten Objekten konzentriere sich die Verwaltung auf die Mittelzentren, damit den Bewohnern fußläufig die notwendige Infrastruktur wie Schulen, Geschäfte und Arztpraxen zur Verfügung stehe. Auf jeden Fall müsse ein Standort in Wertheim, der größten Stadt im Landkreis, gefunden werden. Leider stoße die Kreisverwaltung bei ihrer Suche jedoch auf Ressentiments und Vorbehalte. Dabei seien noch vor 200 Jahren viele Deutsche in der Hoffnung auf ein besseres Leben ausgewandert und hätten im Dritten Reich viele Menschen aus Deutschland fliehen müssen. „Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, haben vieles auf sich genommen. Wir sollten sie anständig und mit der gebotenen Fairness behandeln“, sagte der Landrat. Er fordere eine Beschleunigung der Asylverfahren, zum Beispiel durch die Wiedereinrichtung der früheren Bezirksstellen für Asyl. So erhielten die Menschen schneller Gewissheit und eine Perspektive.




Dekan Ulrich Skobwosky sprach sich dafür aus, die Flüchtlinge nicht nur unterzubringen, sondern sie auch aufzufangen und zu betreuen. Dekan Gerhard Hauk ergänzte, dass die Kirchen beim Thema Asyl zur Bewusstseinsbildung beitragen könnten. Mit Blick auf die Weihnachtsgeschichte bezeichnete er Herbergssuche und Gastfreundschaft als urchristliche Themen. Auch Dekan Hayo Büsing machte deutlich, dass die Geistlichen das Thema zum Beispiel in ihren Predigten aufgreifen könnten. Sozialdezernentin Elisabeth Krug lobte das hervorragende Engagement in Külsheim, wo Bürgermeister Thomas Schreglmann vor der Einrichtung der Gemeinschaftsunterkunft das Gespräch mit Kirchen, Vereinen und Ehrenamtlichen gesucht hat. Nun wird hier ein Besuchsdienst angeboten und nehmen viele Bewohner am Fußballtraining des SV Külsheim sowie an einem Deutschkurs mit einem pensionierten Lehrer teil.

Landrat Reinhard Frank erläuterte, dass die Verwaltung Mitte Dezember den Haushaltsentwurf für 2014 in den Kreistag eingebracht hat. Der wichtigste Investitionsschwerpunkt ist der Neubau der Psychiatrie am Krankenhaus Tauberbischofsheim. Diese Abteilung sei ein unverzichtbares Standbein des Standortes. Nach Einschätzung von Dekan Gerhard Hauk verfügt die Klinik über ein „ganz großes Ansehen“ in der Bevölkerung. Erfreulich sei, dass die Klinikleitung in hohem Maße die kirchliche Seelsorge für die Patienten ermögliche. Lob fand auch das Projekt „Radwegekirchen“, das die Kirchen und der Tourismusverband „Liebliches Taubertal“ gemeinsam umsetzen. Es zielt darauf ab, Touristen zum Innehalten in verlässlich geöffneten Kirchen entlang der Radstrecken einzuladen.

Als weiteres Schwerpunktthema des Landkreises nannte der Landrat die Bildung. Er strebe als nächstes Großprojekt in diesem Bereich die Sanierung der Gewerblichen Schule in Bad Mergentheim an. Bei der Schulentwicklungsplanung müsse stärker an die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen im Main-Tauber-Kreis appelliert werden. Schulverbünde seien ein möglicher Lösungsansatz. Dekan Rüdiger Krauth berichtete hierbei, dass das Lernhaus Ahorn sich als wahrer Magnet erwiesen habe.

Zudem verwies der Landrat auf das „Zukunftskonzept 2030“, das im Jahr 2014 im Kreistag verabschiedet werden soll. Es sieht zum Beispiel Maßnahmen zur Bewältigung des demografischen Wandels vor, unter anderem mit dem Projekt „Karriere daheim“. Dieses soll junge Menschen dazu bewegen, an Main und Tauber zu bleiben anstatt, in urbane Regionen wegzuziehen. Der Landrat ließ auch das erfolgreich abgeschlossene Jubiläumsjahr „40 Jahre Main-Tauber-Kreis“ Revue passieren, das unter anderem mit einem großen Festakt im Kloster Bronnbach gefeiert worden ist. Im neuen Jahr 2014 werde nun an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 und des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren sowie an den Mauerfall vor 25 Jahren gedacht. Dekanin Renate Meixner wies hierbei auf die Fotoausstellung „Kindheit in der Nachkriegszeit“ hin, die bis 9. März 2014 im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim zu sehen sein wird.

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