Im Rettungswagen auf Waldweg geboren

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Ebba aus Erfeld feiert heute putzmunter ihren ersten Geburtstag – und ihre Eltern samt Chefarzt PD Dr. Genzwürker denken ganz besonders an die Ereignisse vor einem Jahr zurück, als Ebba zur Welt kam. Das geschah nämlich nicht im Kreißsaal und auch nicht zuhause, sondern auf einem Waldweg zwischen Hardheim und Bretzingen. (Foto: LRA)

Erfeld. (lra) Freitag, der 13. September 2013 hat den Kobers aus Erfeld kein Pech gebracht. Sondern Ebba, und die war mit ihren damals 3018 Gramm, verteilt auf 50 Zentimeter, das glatte Gegenteil. Ein echter Wonneproppen ist das kleine Mädchen, das heute seinen 1. Geburtstag feiert, geblieben. Ebba hält ihre aus Brandenburg stammenden Eltern, die in Erfeld eine neue Heimat gefunden haben, auf Trab. Das hatte sich schon bei ihrer durchaus ungewöhnlichen Geburt angekündigt. Denn die fand nicht in einem Kreißsaal oder einem Geburtshaus statt und auch nicht in der elterlichen Wohnung – sondern in einem Rettungswagen auf einem Waldweg zwischen Hardheim und Bretzingen.

Das war natürlich nicht geplant. Und trotzdem sagt Henny Kober rückblickend: „Wir waren sehr begeistert von der Betreuung. Während der Geburt und auch danach in den Neckar-Odenwald-Kliniken in Buchen.“Aber der Reihe nach: Wenige Tage vor dem errechneten Geburtstermin ihres ersten Kindes war Henny Kober klar, dass etwas im Gange war: „Aber die Wehen waren weder heftig noch regelmäßig, so dass mein Mann ganz normal zur  Arbeit ging.“ Am frühen Morgen des 13. September hat sie noch die Spülmaschine ausgeräumt, einer Freundin zum Geburtstag gratuliert –  und dann ging es urplötzlich ganz schnell. Die werdende Mutter bat ihren Mann am Telefon, schnell nach Hause zu kommen. „Ich wollte noch unter die Dusche, wusste aber bald nicht mehr, wie ich da wieder raus komme.“

Die geplante Fahrt mit dem Auto ins Krankenhaus wurde gestrichen, kurz nach sieben Uhr stand ein Rettungswagen aus Hardheim mit zwei Sanitätern vor der Tür. Die verstanden den Ernst der Lage und riefen den nächsten verfügbaren Notarzt zu Hilfe. Chefarzt PD Dr. Harald Genzwürker von den Neckar-Odenwald-Kliniken hatte den „Piepser“ gerade mal drei Minuten zuvor übernommen – und sah sich nach 23 Jahren Tätigkeit im Notdienst, davon 15 Jahre als Notarzt, mit der tatsächlich ersten Geburt im Rettungswagen konfrontiert.  „Bei allen anderen Schwangeren haben wir es immer noch bis in den Kreißsaal geschafft“, schmunzelt er.

Die kleine Ebba aber wollte nicht warten, der Rettungswagen parkte in einem Waldweg zwischen Hardheim und Bretzingen und um 7.58 Uhr erblickte das gesunde Mädchen dort das Licht der Welt. Dass Dr. Genzwürker eigentlich Anästhesist und die Geburtshilfe folgerichtig nicht sein ureigenes Metier ist, war ihm laut Henny Kober nicht anzumerken: „Er hat da eine ganz große Ruhe reingebracht, hat viel von sich erzählt und mich unglaublich bestärkt. „Das kriegen wir doch hin“ hat er gesagt und damit hat er ja auch Recht behalten.“ Danach wurden Mutter und Kind entspannt ins Krankenhaus nach Buchen gefahren, wo ihnen bestätigt wurde, dass tatsächlich alles in Ordnung sei und wo sie sich bei bester Betreuung von der stürmischen Geburt erholen konnten.


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Auch Dr. Genzwürker, selbst Vater von mittlerweile drei Töchtern, erinnert sich gerne an dieses uneingeschränkt positive Erlebnis: „Dieser Einsatz blieb ungewöhnlicher Weise der einzige an diesem Tag. So, als ob dieses ganz besondere Ereignis auch ganz besonders zu würdigen gewesen wäre.“ Er gewinnt dieser Geburt im Krankenwagen aber auch ernste Aspekte ab: „Die Geschichte zeigt, wie wichtig eine funktionierende und schnelle Notarztversorgung ist und, auch wenn hier alles gut gegangen ist,  dass wirklich weite Wege in Kliniken für Patienten fatal sein können. Der Erhalt einer wohnortnahen medizinischen Versorgungmuss tatsächlich oberste Priorität haben.“

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