Alleskönner mit hohem Potenzial

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H-O-T Geschäftsführer Sebastian Damm, Landwirt Gibler und H-O-T Regionalbüroleiter im Hohenlohekreis Dr. Wolfgang Eißen sind vom Potenzial der Energiepflanze Durchwachsene Silphie überzeugt. (Foto: pm)

(pm) Eine echte Alternative zu den bisher zur Biogasproduktion eingesetzten Pflanzen könnte die Durchwachsene Silphie werden. In der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber (H-O-T) haben in den letzten fünf Jahren rund 20 Landwirte und Imker den Neueinstieg in den Silphieanbau gewagt. In der Region zieht man nun ein vorläufiges Resümee aus den gesammelten Erfahrungen hinsichtlich Anbau, Etablierung und Ernte der Energiepflanze.

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum L.) aus der Gattung Silphium stammt aus der Familie der Asteraceae (Korbblütler). Weltweit gibt es etwa 20 verschiedene Arten. Der Name, der leuchtend gelb blühenden Pflanze fällt immer öfter, wenn es um den Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen geht. Im Norden von Baden-Württemberg beschäftigt man sich bereits seit 2009 mit der vielversprechenden Energiepflanze. Gemeinsam wollen der Hohenlohekreis, der Neckar-Odenwald-Kreis und der Main-Tauber-Kreis eine Kompetenzregion für Nachwachsende Rohstoffe werden. Übergeordnetes Ziel ist es, verantwortungsvoll mit den Flächen der Region umzugehen und den natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu erhalten. Forschung und Innovation mit Energiepflanzen wie der Durchwachsenen Silphie, die durch einen hohen Ertrag und ihre Mehrjährigkeit besticht und dabei auch der Insektenwelt hervorragend schmeckt, wird in der Bioenergie-Region H-O-T groß geschrieben.

Die große Herausforderung ist es, das Saatgut der Silphie so zu modifizieren, dass es mit herkömmlichen Drillmaschinen gesät werden kann. Das aufwendige setzen vorkultivierter Jungpflanzen erfordert im Moment noch viel Arbeitskraft und das nötige Feingefühl. Gelingt dies, könnte die Becherpflanze aufgrund ihrer hervorragenden Ökobilanz eine gute Ergänzung zum Mais sein und zukünftig in Biogasanlagen zur Energiegewinnung genutzt werden. Mit der Durchwachsenen Silphie kann die Fläche gleich dreifach genutzt werden, zur Förderung der Biodiversität, zur Energieproduktion und zur Produktion von Honig. Nicht zuletzt lockern die gelben Blüten das Landschaftsbild auf und werden auch von Imkern gern gesehen, da sie länger als andere Kulturen blühen. Die Flur kann damit sogar wieder bunter werden.

Schon im Mai 2012 startete in der Bioenergie-Region H-O-T ein bundesweiter Großversuch bei dem rund 100.000 Silphie-Pflänzchen auf mehreren Standorten ausgebracht wurden. Die Energiepflanzen stammen von vier verschiedenen Herkünften aus Nordamerika und Deutschland. Ziel ist ein wissenschaftlich fundierter Vergleich der unterschiedlichen Herkünfte. Im Hohenlohekreis wurden insgesamt 106.000 Pflanzen gepflanzt, davon 0,5 Hektar in Hesselbronn, 0,5 Hektar im Bioenergiedorf Siebeneich, 1 Hektar in Hohebuch und 0,7 Hektar in Bieringen. Als Technik zur Ausbringung hat sich dabei eine Salatpflanzmaschine, die in Hesselbronn und Hohebuch eingesetzt wurde und die jungen Pflanzen beim Setzen direkt mitbewässert als am effektivsten bewährt. In Bieringen wurde technisch bedingt zu flach gepflanzt, so dass es durch eine anhaltende Trockenphase nur zu einer geringen Anwuchsquote von ca. 50 % kam. Schülerinnen und Schüler der Berufsschule in Öhringen haben deshalb von Hand nachgepflanzt. In Hesselbronn war der Anwuchs der jungen Pflanzen vorbildlich. In Hohebuch war aufgrund von Triticale, die erst kurz vor Pflanzung abgehäckselt wurden, nur ein unzureichendes Pflanzbett vorhanden. Die Silphie-Pflanzen benötigten deshalb noch eine gesonderte Bewässerung unmittelbar nach der Pflanzung. 

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Am Standort Hesselbronn gedeiht die Silphie auf rund 0,5 Hektar unmittelbar an der örtlichen Biogasanlage. (Foto: pm)

In Hesselbronn und Hohebuch wurde 2013 mit 50 bis 60 m3 pro Hektar Biogasgülle in einer Gabe gedüngt. In diesem Jahr wurde in Hesselbronn mit nur 40 m3 gedüngt was am Pflanzenbestand erkennbar zu einer zu geringen Nährstoffversorgung führte. Die Pflanzen an diesem Standort sind mit rund 2 Metern deutlich kürzer als die normale Wuchshöhe von um 2,5 Meter. Eine Probeernte Anfang Oktober 2013 in Hesselbronn brachte Erträge von 100 bis 127 dt/ha Trockenmasseertrag bei Trockensubstanzgehalten um die 28 %. Im Vergleich zu Mais ist die Silphie in guten Maisjahren ertraglich etwas schlechter. Im Hinblick auf die Bestandesführung (Düngung, Pflanzenschutz und einmalige Aussaat) sowie Auflockerung des Landschaftsbildes ist der Ertrag der durchwachsenen Silphie als Ergänzungspflanze zu Mais jedoch positiv zu bewerten.

In Zukunft muss die Aussaat der Energiepflanze mit herkömmlichen Drillmaschinen auf die Praxistauglichkeit in landwirtschaftlichen Betrieben noch näher untersucht werden. Die Silphie ist eine züchterisch unbehandelte Pflanze, weshalb man noch mindestens 10 Jahre davon entfernt ist von eigenständigen Sorten zu sprechen. Heute sind lediglich verschiedene Herkünfte zu unterscheiden. Was bisher stattgefunden hat war eine Selektion von Saatgut wüchsigerer Pflanzen. Auf diese Weise konnten konsequent die besten Pflanzen zur Samengewinnung herangezogen werden und so besonders ertragreiche Pflanzen entwickelt werden.

Auf zahlreichen Versuchsfeldern in der Region H-O-T werden mittlerweile auch andere Arten von Energiepflanzen geprüft, darunter Topinambur und Wildpflanzenmischungen aber auch  schnellwachsende Hölzer wie Pappeln und Weiden. „Ein derartig breites Engagement ist in Baden-Württemberg einmalig“ betont Dr. Wolfgang Eißen, Regionalbüroleiter der Bioenergie-Region H-O-T im Hohenlohekreis. Zusammen mit dem landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg werden neue Energiepflanzen hinsichtlich ihrer Anbaueignung, energetischen Verwertung und um die Vielfalt auf dem Acker zu erhöhen getestet. Inzwischen ist es gelungen, zahlreiche Landwirte zu gewinnen und Kooperationen aufzubauen. Die Region H-O-T fungiert dabei als Schnittstelle zwischen Landwirt und Wissenschaft und setzt auf einen ausgeprägten Wissenstransfer. Ziel ist die stärkere Einbindung von nachwachsenden Rohstoffen in der Landwirtschaft und einer Profilierung als Kompetenzregion. Für viele Landwirte ist die Produktion von Bioenergie aus nachwachsenden Rohstoffen bereits zu einem wichtigen zweiten Standbein geworden. Die „Energie vom Acker“ hat in der Bioenergie-Region Hohenlohe-Odenwald-Tauber noch viel Potenzial, gemeinsam will man auch weiterhin versuchen dies zu nutzen und auszubauen.

Infos im Internet:

www.bioenergie-hot.de

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