Bilder, die Geschichten erzählen

Ausstellung „Komm in Komm.“ der Klinik für Neuropsychiatrie ist bis zum 5. Juli im fideljo zu sehen
 
 
 Mosbach. Es sind nicht einfach nur Bilder, die derzeit im Kultur- und Begegnungszentrum fideljo zu sehen sind. Es sind ganze Geschichten, die durch die Werke in der Ausstellung „Komm in Komm. – Komm in Kommunikation“ erzählt werden. Erzählt von Patientinnen und Patienten der Station „Neuro 1“ der Neuropsychiatrischen Klinik der Johannes-Diakonie und gesammelt von der Maltherapeutin Katja Stoll. Zweimal wöchentlich bietet sie den Menschen, denen neben einer geistigen oder Mehrfachbehinderung auch noch eine psychische Erkrankung attestiert wird, die Möglichkeit zu gestalterischer Betätigung. Einige beeindruckende Ergebnisse dieser Arbeit sind bis zum 05. Juli im fideljo zu sehen.
 
 Bewusst habe sie den Ausstellungstitel gewählt, so Katja Stoll bei der Ausstellungseröffnung, die vom Bläser- und Paukenensemble der Johannes-Diakonie musikalisch umrahmt wurde. Die angebotene Zeit zum Malen und Gestalten, die meist von zwei und acht Frauen und Männern gemeinsam, manchmal aber auch einzeln, genutzt wird, sei von Anfang bis Ende ein kommunikativer Akt. „Kommunikation beginnt schon dann, wenn die Teilnehmer einen Blick in den Raum werfen: Mache ich heute mit oder lasse ich es lieber sein“, erzählt Katja Stoll. Weiter wird kommuniziert, wenn man sich für das zu verwendende Material zu entscheiden hat, im Malprozess dann mit sich selbst, mit dem Material oder im Austausch mit der Gruppe. „Am Ende betrachten wir gemeinsam die Ergebnisse.“
 
 Der Ausstellungstitel solle schließlich auch eine Aufforderung an den Betrachter sein. „Alle Bilder sind aus dem Herzen, aus dem Moment entstanden“, so die Maltherapeutin, „und jeder Betrachter reagiert auf die anders.“ So komme jeder Besucher in Kommunikation – mit sich selbst und mit anderen.
 
 Stationsleiter Peter Ploß gab den Vernissage-Besuchern einen kurzen Überblick über die Station „Neuro 1“, die 12 Betten umfasst und Patienten mit sogenannter „Doppeldiagnose“ versorge. Die Arbeit von Katja Stoll sei bemerkenswert, lobte er. „Sie findet Zugang zu Patienten, die auf Ärzte und Pfleger kaum Reaktionen zeigen.“ Besonders freute sich Peter Ploß, dass zur Ausstellungseröffnung auch einige der Künstlerinnen und Künstler anwesend waren.
 
 „Der Titel ist sehr treffend“, sagte auch Chefarzt Dr. Burkhard Lang bei seinen einführenden Worten. Schließlich hätten die Patientinnen und Patienten, die auf diese Station kommen, meist mehr oder weniger große Probleme, zu kommunizieren. Im künstlerischen Ausdruck ändere sich dies oft. Auch er stellte die Leistung von Katja Stoll heraus, die dafür jüngst den „Hornig-Preis“ der Johannes-Diakonie erhalten hatte.
 Im fideljo zu sehen sind Bilder, bei denen Öl- oder Pastellkreide, Tempera- und Acrylfarbe sowie farbige Tusche verwendet wurde. Entstanden sind daraus ebenso Einzelbilder wie auch „Dialogbilder“ oder Gemeinschaftswerke. Kommunikationsbilder eben, die Geschichten erzählen.
 
 Info: Die Bilder im Eventbereich des fideljo sind bis zum 05. Juli zu den Öffnungszeiten des Kultur- und Begegnungszentrums zu sehen.
 
 


Dr. Burkhard Lang, Katja Stoll, Gerhard Nelius und Peter Ploß (v.l.), eröffneten die Ausstellung „Komm in Komm. – Komm in Kommunikation“ im „fideljo“. (Foto: Michael Walter)

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