Hilite-Standort in Seckach in Gefahr

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(Foto: ZV)
 Seckach. (pm) Die Geschäftsführung von Hilite Germany hat am 14. Oktober den Beschäftigten am Standort Seckach mitgeteilt, dass eine Restrukturierung durchgeführt werden soll, der letztendlich der Standort Seckach geopfert wird. Das sei zumindest die von der Geschäftsführung entschiedene Option.

Der Fertigungsstandort Seckach hatte schon viele Eigentümer und auch viele Namen. Zur bewegten Geschichte des Standortes:
1960 gründete ein Herr Tilker einen kleinen Vorrichtungsbau, damit fing die Geschichte an. 1961 übernahm die Maschinenfabrik Diedesheim. Fortan fertigten die Beschäftigten Maschinen und elektronische Bauteile und Ventilgruppen und komplette Aggregate u. a. auch für die Hydraulik-Ring GmbH. Bis 1970 wuchs die Belegschaft in Seckach auf 250 Mitarbeitende. 1983 ging der Standort an Thyssen Industrie über. Die Beschäftigtenzahl ging auf ca. 60 zurück. 1985 wurde Seckach von Thyssen an Mannesmann Rexroth verkauft. Es wurden überwiegend Hydraulik Systeme für die Mobil – und Landtechnik gebaut. Die Beschäftigtenzahl stieg wieder auf ca 130. Im Jahr 1998 wurde auch die Fertigung der Rexroth Fahrzeugtechnik nach Seckach verlagert. 1999 kaufte Siemens VDO Automotive die Rexroth Fahrzeugtechnik. 2002 verkaufte Siemens den Standort an Hilite International. 200 Menschen arbeiteten in Seckach. 2011 wurde die Hilite- Gruppe von dem Investor 3i übernommen (alle Standorte) und
2014 wurde Hilite Germany Teil von AVIC Electomechanical Systems Co., Ltd (AVICEM), einer Tochtergesellschaft der Aviaton Industry Corporation of China.

Heute sind am Standort Seckach ca. 160 Stamm-Arbeitnehmerinnen und –Arbeitnehmer zuzüglich ca. 20 befristet beschäftigte Kollegen aktiv.

Und nun soll endgültig Schluss sein mit dem Standort? Das wollen und können die Beschäftigten, der Betriebsrat und die IG Metall nicht so einfach hinnehmen. Ein Wirtschaftsberater wurde beauftragt, das Konzept der Arbeitgeberseite zu untersuchen. Gemeinsam werden Betriebsrat und IG Metall Alternativen entwickeln, um den Standort in Seckach und damit auch die Beschäftigung im Bauland zu erhalten.

Das ist wichtig nicht nur für die Beschäftigten, die sich sehr mit dem Unternehmen verbunden fühlen. Es ist ihr Standort, der auch funktioniert, wenn die Geschäftsführung nicht vor Ort sitzt, „weil jeder weiß, was er zu tun hat und wir wollen, dass der Laden läuft“, betont der Betriebsratsvorsitzende Zeljko Volarevic, der selbst bereits seit 33 Jahren in Seckach beschäftigt ist. Hilite besitzt auch ein Werk in Ostrava in Tschechien.

Hierzu stellt Betriebsratsvorsitzender Zeljko Volarevic fest: „Wir arbeiten hoch flexibel mit bester Qualität. Auch wenn der Arbeitgeber so gerne gegen Osten schaut, dieses Knowhow, diese Qualität und diese Flexibilität gibt es nur mit Seckach“, wirbt er für den Standort.

Der Fortbestand von Hilite in Seckach ist auch wichtig für die Gemeinde und den Neckar-Odenwald-Kreis. Viel Industrie gibt es im ländlichen Bereich sowieso nicht, umso wichtiger ist es, nicht noch mehr Arbeitsplätze zu verlieren.

Hilite ist im Bereich Automobilzulieferindustrie tätig und ist direkt von der Transformation in der Automobilindustrie betroffen. „Wir fordern schon seit langem ein großes politisches Bündnis. Mit der Transformation dürfen keine Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben.

Als IG Metall sind wir bereit die Transformation mitzugestalten, aber immer mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu erhalten und auszubauen. Das heißt nicht, dass alles beim Alten bleiben muss. Neue Innovationen benötigen Zeit, aber genau diese Zeit muss mit den Beschäftigten durchschritten werden. Und dass das geht zeigen andere Betriebe in Baden-Württemberg“, erklärt Harald Gans, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Tauberbischofsheim.  „Leider hat die Geschäftsführung von Hilite das Angebot eines gemeinsamen Transformationsprozesses – also ein Bündnis IG Metall, Beschäftigte und Arbeitgeber – bisher nicht angenommen. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf und arbeiten weiter daran, mit der Geschäftsführung einen Weg zum Fortbestand des Standortes Seckach zu finden“, versichert Gans.

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