Nordbadische „Spinnerinnen“ treffen sich in Eberstadt

Spinntreffen in Eberstadt

Die Häfners (rechts) zusammen mit Freunden beim Spinnen mit der Spindel und beim Ostereierfärben mit Gräsern, Zwiebelschalen und Malve.

Eberstadt. (lm) Sie sind in dieser Jahr als Ausrichter des Nordbadischen Spinntreffens am 8. Juni von 14 – 17 Uhr an der Reihe, und Wolfgang und Annerose, kurz „die Häfners“ sind auf ihrem Werkhof, der auch offizieller Geopark ab Hof-Kooperationspartner ist, mit ganzem Herzen dabei.

Es ist ihnen nicht nur wichtig, selbst zu wissen und zu können wie man als absoluter Selbstversorger – ob nun in der Kleidererstellung oder im Alltag – überleben könnte. Sie möchten dieses Wissen auch unbedingt spielerisch interessant und kurzweilig weiter geben. Entsprechend dem ländlichen Jahresverlauf sieht daher auch das Mitmach- und Veranstaltungsprogramm auf ihrem Werkhof aus. Es beginnt mit Holzmachen im Januar und dem Schlachtfest im Februar, dem sich das Körbe flechten anschließt.

Wolfgang Häfner vermittelt dabei die Grundlagen von Weidenschneiden, putzen und sortieren, um im März mit dem eigentlichen Flechten fortzufahren. Auch der Webstuhl kommt über Winter öfter mal zum Einsatz und natürlich pünktlich zu Ostern alle nur denkbaren Methoden zum Eierfärben mit Kindern und Eltern, die sich dann auch fürs Basteln von Muttertagsgeschenken interessieren.




In den Pfingstferien steht dann das Lagerleben im TIPI-Land auf dem Programm mit Aktionen, die neue noch genau so viel Spaß machen wie früher. Bogen bauen, Beilwerfen, Waschen und kardieren von Schafwolle oder Pfeilbau mit Naturwerkstoffen. Und während der diversen Ferienlager steht schon auch mal Filzen, Spinnen, Weben oder Basteln auf dem Programm. Hinzu kommen Kirschen-, Holunder- und Streuobsternte sowie das Mosten.

Es wird nicht langweilig bei den Häfners und ihren Freunden, die nur zu gerne Werte und Sachkenntnisse an Jugendliche und junggebliebene Erwachsene vermitteln. Kein Problem, wenn eine Gruppe länger bleiben will. Für Übernachtungen stehen neben drei Tipis, ein Heulager und ein Gemeinschaftsschlafraum für Gruppen bis jeweils 20 Personen zur Verfügung.

Doch das große Highlight wird wohl in diesem Jahr das Nordbadische Spinntreffen sein, zu dem aus Höpfingen, Eberbach, Mosbach/Schwarzach, Eberstadt und Mudau ca. 50 Spinnfrauen erwartet werden und ihre Kunst vorführen. Früher eine Notwendigkeit, wurden die Spinnstuben im 2. Weltkrieg mit Beginn der Industrialisierung abgelöst.  Wolfgang Häfner weiß zu berichten, dass die Eberstadt Schafscherer bis weit über die Region hinaus bekannt waren, und damit auch die Wollverarbeitung einen guten Ruf bekam. Es war sinnvoll und notwendig, wenn sich die jungen Frauen über Winter zum Vorsetz trafen, um gemeinsam die notwenigen Handarbeiten zu verrichten und sich über neue Techniken auszutauschen Ähnlich funktionieren die Spinnstuben oder –zirkel auch heute noch.

Und Christa Haas aus Friedrichsdorf, die das Nordbadische Spinntreffen vor fünf Jahren ins Leben gerufen hat, weiß um die Vorteile dieser Kommunikation. 

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