Energiegenossenschaften als Win-Win-Win-Geschäfte

Michael Diestel über „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“

Unser Bild zeigt von links: Michael Diestel von der Agrokraft GmbH, S.U.N-Vorsitzende Christine Denz und Landrat Dr. Achim Brötel. (Foto: Judith Blüthner)

Oberneudorf. (cd) Energiegenossenschaften – ein altes bewährtes Konzept von Raiffeisen wird andernorts neu aufgemöbelt und soll auch im Neckar-Odenwald-Kreis auf die erneuerbaren Energien angewendet werden. Ein „riesengroßes Interesse“ von rund 140 Zuhörern an diesem Thema stellte die S.U.N.-Vorsitzende und Kreisrätin Christine Denz höchst erfreut fest. Besonders die Landwirte seien an diesem Abend im Dorfgemeinschaftshaus in Buchen-Oberneudorf angesprochen, aber auch andere Menschen. Der Solar- und Energiesparverein stoße immer wieder neue Klimaschutz-Themen mit unterschiedlichen Partnern an; dieses Mal mit der AWN und der Bioenergie-Region H.O.T.. Als kundigen Referenten stellte sie Michael Diestel vor, den studierten Agrar-Ingenieur und Geschäftsführer des Bauernverbandes Rhön-Grabfeld und der „Agrokraft GmbH“ vor. Er und seine Mitstreiter haben den bayerischen Landkreis mit dorf-eigenen und selbst entwickelten Energiegenossenschaften schon zum Teil umgekrempelt. Wie beseelt sei er von dem Prinzip „Das Geld des Dorfes dem Dorfe“.

Landrat Dr. Brötel sprach in seinem Grußwort das Engagement an, das vor allem die Bevölkerung und auch der Kreis seit einigen Jahren in die erneuerbaren Energien steckten. Mittlerweile liege der NOK zusammen mit dem Landkreis Schwäbisch-Hall an der Spitze in Baden-Württemberg, was den Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Strombedarf im jeweiligen Kreis betreffe. Es seien jetzt schon erheblich mehr als das Land Baden-Württemberg sich für das Jahr 2020 zum Ziel gesetzt habe, nämlich stolze 31%.

Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Energiegenossenschaften als Win-Win-Win-Geschäfte“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8937″] „Big Business im ländlichen Raum“, so kennzeichnete Michael Diestel Absicht und Erfolg der Energiegenossenschaften. Was man – und vor allem viele Menschen – vor Ort und in kontrollierbare Projekte investiere, sei gut angelegtes Kapital. Das durchschnittliche private Geldvermögen betrage pro Person 52.000 Euro in einem strukturschwachen Landkreis. Umgerechnet auf die 150.000 Einwohner des NOK sind das 5,8 Milliarden Euro – ein gewaltiges Potential! Davon sei in den letzten Jahren durch die Finanzkrise und ungesicherte Anlagen sehr viel „verbrannt“ worden. Die „Agrokraft GmbH“ prüfe Vorhaben vor der Realisierung sehr genau auch auf ihre Solidität und Rentabilität hin. Pilotanlage war im Jahr 2006 die Biogasanlage in Bad Königshofen, die 37 Landwirte beliefern. Der Strom wird in das Netz gespeist und über das EEG vergütet, die Wärme heizt den Heilwassersee – effizient und umweltfreundlich, weil nichts verschwendet wird. Mittlerweile haben sich weitere Bürger zusammengeschlossen, um mehr Biogas- und große Photovoltaikanlagen (Frei- und Dachflächen) zu bauen. Auch Windkraftanlagen sind in Planung.

Möglich mache dies die Energiegenossenschaft – eine offene Gesellschaft, in die sich alle einbringen können. Profitieren würden alle; nämlich die Geldgeber, die Handwerker und Lieferanten und die Kommunen durch die Gewerbesteuer. Das Geld des Dorfes bleibe im Dorf bzw. in der Stadt. Michael Diestel, den die Begeisterung immer wieder erkennbar mitriss, zeigte weitere kreative Projekte. So kam der Fußballverein Großbardorf durch eine weitere Energiegenossenschaft zu einem sonst unerschwinglichen Tribünendach. Den Schatten bzw. Regenschutz bildet eine Photovoltaikanlage, die zum großen Teil Fußball-Fans finanzierten. Auch hier geht es nach dem Motto Raiffeisens: Was dem Einzelnen nicht möglich ist, schaffen viele. Von 2005 bis 2010 sind so insgesamt rund 50 Mio Euro in Energiegenossenschaften im Landkreis Rhön-Grabfeld investiert worden.

Eindringlich warnte Michael Diestel davor, schnell Windvorrangflächen an ortsfremde Investoren zu verpachten. Auch schon im Neckar-Odenwald-Kreis hätten sich diese Flächen gesichert. Sehr zum nachträglichen Bedauern der Gemeinden, weil so Entwicklungen blockiert würden. Besser sei es nach seinen Erfahrungen, wenn Windkraftanlagen örtliche oder regionale Projekte seien. Dann hätten viele etwas davon, und nicht nur auswärtige Investoren. Auch könnte man destruktive Neidgefühle im Dorf vermeiden, wenn viele die Möglichkeit haben sich zu beteiligen und Profit zu erwirtschaften. Zum Schluss forderte Michael Diestel die Anwesenden zur „Aldisierung“ des Genossenschaftsgedankens auf, nämlich zum Mut zur Kopie.

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