Germanen grunzen im Eichenlaub

Sebastian Schnoy – Napoleon und der Abwasch – Mit Anlauf über die Kassler Berge

von Martin Hammer
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Fotos: Michael Pohl

Osterburken. „Der Historiker ist ein Reporter, der überall dort nicht dabei war, wo etwas passiert ist.“ Dass man Geschichte dennoch äußerst interessant und unterhaltsam darstellen kann, bewies Sebastian Schnoy bei seinem Gastspiel in Osterburken. Mit seinem Programm „Von Napoleon lernen, wie man sich vorm Abwasch drückt“ begeisterte der Kabarettist die Zuschauer in der ausverkauften Alten Schule und bescherte der Kulturkommode einen gelungenen Auftakt in ihr neues Jahresprogramm.

Der Hamburger wechselte nach dem Studium der Geschichte ins Kabarettfach. Man müsse Historie nicht knochentrocken wiedergeben, sondern könne sie für das Publikum lebendig machen, wenn man die Jahreszahlen und Kriege einfach weglässt. Deshalb widmet sich Schnoy lieber den Erkenntnissen, die uns beflügeln, von denen wir Gutes lernen und über die wir vielleicht auch lachen können. Zahlreiche Kabarettpreise und Bücher in den Bestsellerlisten zeigen, dass dieses Konzept bei Publikum und Kritikern ankommt.




Von der Antike über das dunkle Mittelalter bis in die Neuzeit spannt Sebastian Schnoy den historischen Bogen, beleuchtet die Errungenschaften, die wir unterschiedlichen europäischen Völkern in den jeweiligen Epochen zu verdanken haben und spickt seine kurzweiligen Ausführungen mit Anekdoten über bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten. Während die antiken Griechen bereits mathematische Maßstäbe setzten und in Alexandrien 500.000 Schriftrollen in einer Bibliothek sammelten, war von uns banausenhaften Germanen nur das „Grunzen im Eichenlaub“ zu vernehmen. Und während Hannibal schon zu den Glanzzeiten Roms die Alpen mit Elefanten überquerte, musste Schnoys Vater vor dreißig Jahren mit seinem Ford Taunus in Hamburg Schwung holen, um auf dem Weg in den Italien-Urlaub zumindest über die Kassler Berge zu kommen.

Die immer wieder eingestreuten Bezüge zum aktuellen Zeitgeschehen sind die Elemente, die das Programm vom rein historischen zum politischen Kabarett mit einer gehörigen Portion Gesellschaftskritik machen. Wir sollten uns beispielsweise vor Augen halten, so Schnoy, dass Deutschland in seiner Geschichte bereits sieben Mal bankrott war, Griechenland jedoch erst fünf Mal. Die Hellenen haben also noch zwei Mal gut!
Jedoch sei angesichts der historischen Glanzstunden der europäischen Nachbarn nicht nur unser etwas abschätziger Blick auf das aktuelle Geschehen in diesen Ländern nicht angebracht – auch etwas weniger Obrigkeitsdenken („Dass die Deutschen bei der Revolution 1848 den König fragten, ob er einverstanden sei, hätte schräger nicht laufen können.“) und mehr Gelassenheit würden uns gut tun. Hatte man sich in Italien schon an die Eskapaden von Berlusconi gewöhnt, würde man hierzulande über Angela Merkel sagen, wenn sie sich einen Porsche kaufen würde: „Jetzt dreht sie durch.“

Dass die Mentalitäten und Sichtweisen auf gesellschaftspolitische Belange bei verschiedenen Nationen aus historischen Gründen unterschiedliche Ausprägungen haben, konnte Sebastian Schnoy auf humorvolle und dennoch fundierte Weise belegen. Jedes Volk hat jedoch seinen kulturellen Beitrag im Vereinten Europa geleistet – das eine früher, das andere eben etwas später. Zielsicher deckt der „Guido Knopp des Kabaretts“ die besten aber auch skurrilen Momente der europäischen Geschichte auf und macht so Finanzkrisen, Schuldenlöcher und Euro-Rettungsschirme zumindest für einen unterhaltsamen Abend lang vergessen.

Infos im Internet:
www.kulturkommode.de

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