Fit für den allgemeinen Arbeitsmarkt

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Eberbach. Lukas Groß absolviert als Schüler des Eberbacher Bildungs- und Arbeitszentrums der Johannes-Diakonie ein Praktikum im Getränkefachmarkt Knopf
Eberbach. Lukas Groß verschwindet fast hinter den vielen leeren Sprudel-, Bier- und Saftkisten, die sich auf seinem Wagen türmen. Routiniert manövriert er damit durch die Gänge des Eberbacher Getränkefachmarkts Knopf. Im großen Leergutlager werden die Kisten an die richtige Stelle geräumt, danach hilft der 19-Jährige einem Kunden, gekaufte Getränke ins Auto zu laden. Auch muss der Lkw ab- und aufgeladen werden, Getränke an Kunden ausgeliefert werden – und Lukas ist mit dabei.

Er hat jedenfalls ordentlich zu tun an diesem Donnerstagvormittag. Und das macht dem jungen Mann aus Schönbrunn-Haag sichtlich Spaß. Einmal die Woche arbeitet er im Rahmen eines Praktikums im Unternehmen von Richard Knopf. Das Ziel: Stück für Stück fit werden für den allgemeinen Arbeitsmarkt. Denn Lukas Groß ist aktuell noch Schüler der Berufsschulstufe der Schwarzbach Schule, die im Eberbacher Bildungs- und Arbeitszentrum der Johannes-Diakonie – kurz: EBAZ – ihren Sitz hat.

Mitten im Gewerbegebiet arbeiten und lernen dort Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung.
Wie Lukas absolvieren auch andere Schüler der Schwarzbach Schule immer wieder ähnliche Praktika in Eberbacher Unternehmen – sei es beim örtlichen Autohaus Hufnagel, im evangelischen Kindergarten Regenbogen, im Rewe-Markt oder im Kaufland.

Ziel ist dabei, den jungen Leuten Perspektiven für eine berufliche und soziale Teilhabe in der Gesellschaft aufzuzeigen – auch außerhalb der Werkstätten für behinderte Menschen. „Unsere Schüler lernen bei diesen Praktika Schlüsselqualifikationen für den Arbeitsprozess wie Pünktlichkeit, Durchhaltevermögen oder korrektes Auftreten gegenüber Vorgesetzten und Kunden“, erläutert Lukas‘ Lehrerin Isabell Möricke. Und das Stück für Stück über einen längeren Zeitraum hinweg.




So begann Lukas Anfang des laufenden Schuljahres, bei Richard Knopf zu arbeiten. „Zunächst nur ein oder zwei Stunden“, so Isabell Möricke weiter. Bald hielt Lukas dann aber den ganzen Vormittag durch. „Der Unterschied zwischen den Anforderungen in der Schule und am Arbeitsplatz ist für die Schüler sehr groß. Doch Lukas kam damit schnell gut zurecht“, freut sich seine Lehrerin.

Viel dazu beigetragen habe aber auch sein Chef. „Herr Knopf hat sich von Anfang an viel Zeit für Lukas genommen, ihm viel erklärt und gezeigt. Es ist toll mit anzusehen, wie die beiden miteinander umgehen.“
Richard Knopf selbst sieht seinen Teilzeitmitarbeiter als echte Bereicherung. „Das klappt hervorragend, er ist uns inzwischen eine große Hilfe“, sagt der Eberbacher Unternehmer. Auch die Kunden wissen die Hilfe des 19-Jährigen zu schätzen, wenn er beispielsweise den schweren Einkauf in die Kofferräume ihrer Autos wuchtet.

Und Lukas? „Ich kann mir gut vorstellen, hier weiter zu arbeiten“, sagt er. Wobei, festlegen will er sich nicht, was er beruflich nach Abschluss seiner Schulzeit machen will. Er hat vor, erst noch die berufsvorbereitende Einrichtung (BVE) zu besuchen. Die ist an die Theodor-Frey-Berufsschule in Eberbach angegliedert und bietet für die Schüler der Schwarzbach Schule neben der Weiterbildung viele Möglichkeiten, praktische Erfahrungen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu sammeln.

Jetzt freut er sich erst einmal über die Donnerstagvormittage an seinem Teilzeitarbeitsplatz. Und über den einen oder anderen Spaß, den er sich mit seinem Chef erlauben darf, wie er lächelnd berichtet – um dann aber gleich wieder einige Sprudelkisten auf den passenden Paletten zu verteilen.

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