Gemeinsam Herausforderungen bewältigen

(Foto: Michael Genzwürker)

Beim 9. Odenwälder First Responder Tag am 23.11.2019 in der Stadthalle Buchen bildeten sich die Einsatzkräfte fort

Buchen.  (hg) Über 340 notfallmedizinisch Interessierte trafen sich am Wochenende zum 9. OFIRTA – Odenwälder First Responder Tag – in der Buchener Stadthalle.

Rund um die Uhr sind First Responder, also qualifizierte Ersthelfer oder „Helfer vor Ort“ (HvO), in ihren Gemeinden einsatzbereit, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken und so ehrenamtlich teils unmittelbar lebensrettende Hilfe zu leisten.

Für diese unentbehrlichen Helfer organisieren die Leitenden Notärzte in Kooperation mit dem Förderverein psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) im Neckar-Odenwald-Kreis jährlich eine ganztägige Fortbildungsveranstaltung. Dank der Unterstützung mehrerer Sponsoren und vieler engagierter Mitwirkender war die Fortbildung für die Teilnehmer wie immer kostenlos.

Zusammenarbeit optimieren

Vorrangige Zielsetzung der Veranstaltung ist es, durch gemeinsame Fortbildung verschiedener Fachdienste die Zusammenarbeit bei der Notfallversorgung immer weiter zu optimieren. Ganz wichtiges Element der Veranstaltung war auch der Austausch der Teilnehmer untereinander. Im Rahmen einer Ausstellung unterstützender Firmen und des Fördervereins PSNV konnten zusätzliche Informationen eingeholt werden.

Würdigung der Helfer

Eine besondere Würdigung erfuhr das ehrenamtliche Engagement der Helfer durch die Anwesenheit des OFIRTA-Schirmherrn Landrat Dr. Achim Brötel sowie Bürgermeister Roland Burger als „Hausherrn“ und Präsident des DRK-Kreisverbandes Buchen. Der Landrat betonte in seinem Grußwort den unschätzbaren Wert der rund um die Uhr verfügbaren, gelebten Nachbarschaftshilfe, mit der die Einsatzkräfte bei zeitkritischen Notfällen zur Verfügung stehen.

Mehrere Sponsoren hatten Preise gestiftet, sodass die Glücksfeen Pia, Anna und Lea Genzwürker dafür sorgten, dass sich über 50 Teilnehmer über kleine und größere Geschenke freuen konnten.

Helfer setzen ein Zeichen

Dankbar für die vielfältige Unterstützung und begeistert von der erneut sehr hohen Teilnehmerzahl zeigte sich Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, Sprecher der Gruppe Leitender Notärzte und Organisator des OFIRTA. „Mit Eurem ehrenamtlichen Engagement zu jeder Tages- und Nachtzeit setzt Ihr ein Zeichen!“, begrüßte er die Teilnehmer, die aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland anreisten.

Tolle Küchenmannschaft

Als Beitrag zum Gelingen der Veranstaltung würdigte er besonders die Unterstützung verschiedener Sponsoren, des Kreisauskunftsbüros unter Federführung des DRK Hettingen, das sich um die Teilnehmerregistrierung kümmert, und die tolle Leistung der Küchenmannschaft des DRK Ortsvereins Hardheim, die wieder – ebenfalls ehrenamtlich – für das leibliche Wohl der großen Zahl anwesender Einsatzkräfte sorgte. Auch die Unterstützung seiner Familie lobte er ausdrücklich.

Blackout – Wenn nichts mehr geht

Sabine Schweiger, die Bürgermeisterin von Aglasterhausen, hat sich gemeinsam mit ihrer Verwaltungsspitze sehr intensiv mit dem Risiko eines flächendeckenden Stromausfalls beschäftigt. Das Thema „Blackout – Wenn nichts mehr geht…“ nutzte sie, um auf die vielfältigen Abhängigkeiten unserer modernen Gesellschaft von der jederzeitigen Verfügbarkeit von Energie und Treibstoff und daraus resultierenden Problemen und Risiken bei längeren Ausfällen hinzuweisen. In ihrer Gemeinde hat sie deshalb Regelungen getroffen, um bei einem flächendeckenden Stromausfall handlungsfähig zu bleiben.

In Kürze wird eine örtliche Tankstelle als eine von weniger als 20 in ganz Deutschland mit einer Notstromversorgung ausgestattet. Frau Schweiger sieht in vielen Kommunen und Einrichtungen wie beispielsweise Pflegeheimen erheblichen Handlungsbedarf, damit ein Blackout sie nicht völlig unvorbereitet trifft. Wichtig war ihr allerdings auch, ganz besonders auf die Verantwortung jedes Einzelnen hinzuweisen, Vorsorge für Zeiten zu treffen, in denen der Strom mehr oder weniger lange ausfällt.

Gefahrgutunfälle und Eigenschutz

Als Vertreter des BASF-Rettungsdienstes referierte Thorsten Becker zur Thematik „Gefahrgutunfälle“. Ein wichtiges Anliegen war ihm, die Einsatzkräfte für die zahlreichen transportierten Substanzen mit entsprechender Kennzeichnungspflicht, aber auch die vielen im Alltag vorhandenen Stoffe zu sensibilisieren. Neben Vergiftungsmechanismen stellte er die allgemeinen Behandlungsgrundsätze in den Mittelpunkt, da seiner Erfahrung nach bei den Einsatzkräften oft große Unsicherheiten bestehen.

Der Eigenschutz hat gerade bei chemischen Substanzen eine hohe Bedeutung, und eine enge Abstimmung mit den Feuerwehren kann helfen, eine weitere Ausbreitung und Schädigung zu verhindern. Entscheidend sei, durch frühzeitige Dekontamination die Einwirkung zu beenden. Die BASF steht hier für Anfragen von Einsatzkräften grundsätzlich rund um die Uhr zur Verfügung und bietet als Teil des TUIS-Systems auch Unterstützung mit spezialisierten Einsatzkräften vor Ort.

Vorsicht Batterie

Andreas Kaiser als Kommandant der Feuerwehr Elztal widmete sich unter dem Titel „Vorsicht Batterie!“ den Herausforderungen der Elektromobilität für Einsatzkräfte. Durch seine berufliche Tätigkeit als Brandschutzverantwortlicher bei der Werkfeuerwehr eines Automobilherstellers verfügt er über profunde Kenntnisse der Fahrzeugtechnik, die er in seinem Vortrag an die Teilnehmer weitergab.

Insgesamt werden die Risiken von Elektrofahrzeugen seiner Wahrnehmung nach eher überschätzt, und die notfallmedizinische Versorgung bei Unfällen entspricht grundsätzlich der gewohnten Vorgehensweise. Zusatzrisiken durch chemische Reaktionen oder Fahrzeugbrände bestünden grundsätzlich, das Risiko einer Stromabgabe nach einem Unfall werde durch Sicherungsmechanismen auf ein Minimum reduziert.

Einsatztaktik in Röhren

Zur Thematik „Licht am Ende des Tunnels! – Einsatztaktik in Röhren“ stellten Kreisbrandmeister Jörg Kirschenlohr und Michael Daniel, stellvertretender Abteilungskommandant der Feuerwehr Osterburken, aktuelle Konzepte vor. Neben Straßen- und Bahntunneln bieten auch weitere „unterirdische verkehrstechnische Anlagen“ wie Tiefgaragen besondere Herausforderungen für die Einsatzkräfte.

Für die Rettungsdienste ist wie bei anderen Szenarien wichtig, mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr die sicheren und gefährdeten Bereiche festzulegen und auf plötzliche Lageänderungen zu reagieren. Zur Einsatztaktik am und im Eckenbergtunnel stellte Michael Daniel die planerischen und konzeptionellen Ansätze vor, mit denen in Abstimmung der beiden zuständigen Feuerwehren auf Unfälle und Brände reagiert werden soll.

Baywatch im Odenwald?

Der Vortragstitel „Baywatch im Odenwald?“ bot dem Bezirksleiter der DLRG Frankenland Thomas Zemmel die Gelegenheit, die Aufgaben und das Leistungsspektrum der DLRG darzustellen. Neben den allgemeinen Tätigkeiten im Bereich der Wasserrettung und Schwimmausbildung stellte er auch die Strukturen und Einsatzeinheiten des Bezirks vor, der den Neckar-Odenwald- und Main-Tauber-Kreis umfasst. Immer nach dem Motto „vom Schwimmer zum Retter“ suche man stets Nachwuchskräfte, die sich auch hochspezialisierten Ausbildungen wie Strömungsretter oder Rettungstaucher stellen.

Kletternde Retter

Dr. Florian Bofinger freute sich, als Leiter der Bergwacht Miltenberg den anwesenden Einsatzkräften die Aufgaben und Einsatzbereiche im hiesigen Mittelgebirge vorstellen zu können. Auch dort gebe es Bereiche, die nur von Rettern mit Kletterausbildung zu erreichen seien. Insbesondere bei Einsätzen in unwegsamem Gelände unterstützen die ausgebildeten Mitglieder der Bergwacht andere Organisationen bei der Patientenrettung.

Das Einsatzaufkommen wird aktuell beispielsweise durch eine deutliche Steigerung von „Outdoor-Aktivitäten“ erhöht: Mountainbike-Strecken, Gleitschirmfliegerplätze und ein umfangreiches Wanderwegenetz mit entsprechenden Unfällen trugen zur Gründung der Bergwacht Miltenberg im Jahr 2017 bei.

Absturzsicherung in alpinen Passagen

Mit teils alpinen Passagen stellt die Margaretenschlucht neben anderen Abschnitten des Neckartals im Süden des Neckar-Odenwald-Kreises wie der Wolfsschlucht die Einsatzkräfte vor Ort vor besondere Herausforderungen.

Carsten Nohe als stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Neckargerach stellte dar, wie mit einer Einheit zur Absturzsicherung die Rettung aus schwierigem Gelände sichergestellt wird. Anhand eindrücklicher Einsatzberichte zeigte er auf, dass ohne entsprechende Ausstattung eine sichere Versorgung nicht möglich ist. Leider entstehen einige der Einsätze nicht zuletzt durch Unterschätzung des schwierigen Terrains und puren Leichtsinn.

2020 geht es weiter

Abschließend fasste Dr. Genzwürker die verschiedenen Aspekte dieses Fortbildungstages nochmals zusammen und ermunterte die ehrenamtlichen Rettungskräfte, ihr Engagement für das Gemeinwohl fortzusetzen. Zum Veranstaltungsende lud er die Teilnehmer zum nächsten OFIRTA am 21. November 2020 mit dem Schwerpunkt „Aktuelle Empfehlungen zur Wiederbelebung“ ein und dankte nochmals allen, die in irgendeiner Form zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.

Bis auf den letzten Platz gefüllt. (Foto: Michael Genzwürker)

Infos im Interne:

www.ofirta.de

Artikel teilen:

Zum Weiterlesen:

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen