Wiederbelebung in Zeiten von Corona

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Innenminister Thomas Strobl gratuliert zum Jubiläum. (Foto: pm)

Zehnter Odenwälder First Responder-Tag fand Online statt

Ausgerechnet zum Jubiläum des OFIRTA – Odenwälder First Responder Tag – konnte die Veranstaltung wegen der Corona-Pandemie nicht in der Buchener Stadthalle stattfinden.

Im Zusammenwirken der Blaulichtorganisationen wurde aber eine erfolgreiche Lösung gefunden, denn die Buchener Feuerwehr ermöglichteeine hochprofessionelle Online-Veranstaltung. Medienprofi Matthias Grimm ermöglichte über 400 angemeldeten notfallmedizinisch Interessierten die Teilnahme, die aus der Feuerwache übertragen wurde.

Rund um die Uhr sind First Responder, also qualifizierte Ersthelfer oder „Helfer vor Ort“ (HvO), um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken und so ehrenamtlich teils unmittelbar lebensrettende Hilfe zu leisten. Für diese unentbehrlichen Helfer organisieren die Leitenden Notärzte in Kooperation mit dem Förderverein psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) im Neckar-Odenwald-Kreis jährlich eine Fortbildungsveranstaltung. Vorrangige Zielsetzung der Veranstaltung ist es, durch gemeinsame Fortbildung verschiedener Fachdienste die Zusammenarbeit bei der Notfallversorgung immer weiter zu optimieren. Dank der Unterstützung mehrerer Sponsoren kann dieses Angebot seit der ersten Auflage im Jahr 2011 kostenlos angeboten werden.

Zum Jubiläum gratulierte der Innenminister des Landes Baden-Württemberg Thomas Strobl den Einsatzkräften per Videobotschaft und dankte für die Tätigkeit rund um die Uhr. Dieser Botschaft schlossen sich OFIRTA-Schirmherr Landrat Dr. Achim Brötel, Hausherr Bürgermeister Roland Burger sowie die Bundestagsabgeordneten Nina Warken und Alois Gerig an.

Dankbar für die vielfältige Unterstützung, welche den OFIRTA möglich macht, begann Priv.-Doz. Dr. Harald Genzwürker, im Hauptberuf Ärztlicher Leiter der Neckar-Odenwald-Kliniken, die Reihe der Vorträge mit seinem Beitrag „Reanimation in Zeiten von Corona“. Neben Aspekten des Helferschutzes in Pandemiezeiten war es dem Notfallmediziner aber ein besonders großes Anliegen aufzuzeigen, wie vor Ort aktiv daran gearbeitet werden kann, die Überlebenschancen beim Herz-Kreislaufstillstand zu steigern. Information und Ausbildung der Bevölkerung beispielsweise im Rahmen der Woche der Wiederbelebung, Steigerung des Bekanntheitsgrades der Notrufnummer 112, telefonische Unterstützung der Laien durch die Leitstelle, Stärkung und Verzahnung der Systeme wie „Mobile Retter“ und Helfer-vor-Ort-Gruppen, die Verfügbarkeit von Laien-Defis oder AEDs nannte er als Beispiele, um künftig noch viel mehr „Geschichten vom (Über-)Leben“ erzählen zu können.

„Wir müssen die Rettungs-Kette ergänzen zu einem Rettungs-Netz, das den Patienten mit Kreislaufstillstand auffängt“, appellierte Genzwürker an das Zusammenwirken aller Ebenen, von der Leitstelle über die Einsatzkräfte, die Kliniken, aber auch die Entscheider auf politischer Ebene und die Kostenträger.

Nahtlos an die Überlegungen zur Steigerung des Anteils von Laien, die sich beim Kreislaufstillstand die lebensrettende Herzdruckmassage zutrauen, schloss sich der Vortrag von Jovin Bürchner an, im DRK Landesverband Baden-Württemberg zuständig für die Bereiche Jugendrotkreuz, Schule und Schulsanitätsdienste. Er stellte die Landesinitiative „Löwen retten Leben“ vor, mit der Schülern an weiterführenden Schulen Basiskenntnisse der Wiederbelebung vermittelt werden sollen. Auch im Neckar-Odenwald-Kreis war er gemeinsam mit Dr. Genzwürker bereits aktiv und freut sich, dass inzwischen andere Bundesländer die Konzeption übernehmen.

Einen speziellen Bereich der Wiederbelebung griff Dr. Niko Schneider von der Sektion Notfallmedizin der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Heidelberg auf, der als Notarzt auf dem Christoph 53 regelmäßig auch im Neckar-Odenwald-Kreis im Einsatz ist. Mit einer Arbeitsgruppe widmet er sich der Verbesserung von Reanimationsmaßnahmen bei Schwerverletzten, für die es besonderer Kenntnisse und Ausstattung bedarf. Deshalb wurde auch ein für Deutschland einzigartiges Projekt initiiert: mit dem „Medical Intervention Car“ rücken qualifizierte Notfallmediziner mit Zusatzausbildung aus, um die Einsatzkräfte vor Ort bei besonders herausfordernden Einsätzen zu unterstützen.

Im letzten Vortrag setzte sich Henning Waschitschek vom DRK Kreisverband Mosbach mit ethischen Fragen rund um die Wiederbelebung auseinander. Der seit vielen Jahren im Team der PSNV (Psychosoziale Notfallversorgung) im Neckar-Odenwald-Kreis engagierte Notfallsanitäter konnte aus eigener Erfahrung berichten, wie wichtig die Anwesenheit von Angehörigen während einer Reanimation für diese sein kann – gerade, wenn alle Bemühungen der Einsatzkräfte nicht erfolgreich sind. Anhand verschiedener Fälle schilderte er eindrücklich das Spannungsfeld, in dem die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Retter tätig werden, wenn es buchstäblich um Leben und Tod geht. Dabei betonte er, dass der freiwillige und ebenfalls komplett ehrenamtliche PSNV-Dienst nicht nur den Angehörigen von verstorbenen Notfallpatienten wichtige Hilfe leistet, sondern insbesondere auch Einsatzkräften aller Organisationen Unterstützungsangebote nach belastenden Erfahrungen anbietet.

Abschließend fasste Dr. Genzwürker die verschiedenen Aspekte dieses Fortbildungstages nochmals zusammen und ermunterte die ehren- und hauptamtlichen Rettungskräfte, ihr Engagement für das Gemeinwohl fortzusetzen. Wichtige Helfer im Hintergrund waren auch beim Jubiläums-OFIRTA die Mitglieder des Kreisauskunftsbüros unter Federführung des DRK Hettingen, die sicherstellten, dass bereits kurz nach Veranstaltungsende die Teilnahmebescheinigungen versandt werden konnten.

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