Kinder einfach „verwahren“ läuft nicht

Wie in einer „richtigen“ Familie: Tagesmutter Regina Tretter aus Asbach spielt Schwarzer Peter mit Nathalie und Jasmin. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. Regina Tretter aus Asbach braucht Leben im Haus. Seit die eigenen drei Kinder ausgezogen sind und sie ihre Berufstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel hängen musste, hat die 49-jährige gelernte Verkäuferin nach einer Beschäftigung gesucht. Die hat sie im Herbst 2009 gefunden: Seit einem knappen Jahr ist Regina Tretter Tagesmutter.

Eigentlich wollte sie immer was mit Kindern machen, erzählt die Asbacherin. Drei eigene Sprösslinge hielten sie dann auf Trab, dazu war sie viele Jahre teilzeitbeschäftigt. Als die Kinder erwachsen und der Job nicht mehr möglich war, fühlte sich Regina Tretter nicht mehr ausgelastet – ein Gefühl, das viele Frauen mit einem ähnlichen Lebenslauf kennen. Durch eine Zeitungsannonce wurde sie auf die Möglichkeit aufmerksam, als Tagesmutter Kinder zu betreuen, die aus verschiedenen Gründen – oft Berufstätigkeit der Eltern – nicht immer zuhause sein können. „Solche Frauen wie Regina Tretter suchen wir händeringend“, bestätigt Nadine Polk vom Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises, in deren Kartei die Asbacherin gelandet ist: „Diese Frauen stehen mitten im Leben, haben dank des eigenen Nachwuchses Erfahrung im Umgang mit Kindern und sie haben die Familienphase und die Zeit größerer Umbrüche hinter sich. Das macht sie sehr verlässlich, genau das, was wir für die zu betreuenden Kinder brauchen“. Von Nadine Polk bzw. einer Kollegin bekam die Asbacherin die vierjährige Jasmin und die zehnjährige Nathalie vermittelt, die am Nachmittag im ehemaligen Wohn- und jetzigen Spielzimmer der Tretters mit dem großen Barbiehaus der eigenen Tochter spielen. Zuvor haben sie nach Schule und Kindergarten gemeinsam gegessen, die Tagesmutter hat die Hausaufgaben der Großen kontrolliert und jetzt ist Freizeit angesagt. Später bringt sie die Große an den Bus, die Kleine hat sie schon vor dem Kindergarten bei ihr daheim geweckt und für den Kindergarten fertig gemacht, weil die Mutter wochenweise schon sehr früh aus dem Haus muss.

„Die Kinder dürfen das, was meine Kinder durften. Und was ich denen verboten habe, das geht auch heute nicht“, umreißt Regina Tretter ihre Erziehungsprinzipien. Gleichzeitig räumt sie aber ein, dass es bei „fremden“ Kindern doch immer ein bisschen anders läuft als bei den eigenen: „Jedes Kind hat seine Besonderheiten und Jasmin und Nathalie haben die natürlich auch. Außerdem muss ich mich immer auch mit den Eltern absprechen.“ Eine Anlaufzeit habe sie schon gebraucht, die Umstellung auf „plötzlich wieder kleine“ Kinder ging nicht von heute auf morgen. Sehr hilfreich fand sie die Kurse, die sie beim Tagesmütterverein besucht und die die Frauen auf ihre Tätigkeit vorbereiten und sie begleiten. „Da lernt man auch als gestandene Mutter immer wieder was dazu. Außerdem kann man sich mit den anderen Frauen, die ja in der gleichen Situation sind, gerade auch bei Problemen austauschen.“

Tatsächlich kann sich Regina Tretter auch auf die Unterstützung durch Nadine Polk und ihre Kolleginnen verlassen. Im Umkehrschluss „wird schon auch was verlangt“, betont die Tagesmutter: „Die Kinder einfach „verwahren“ läuft nicht. Wir müssen erziehen, Grenzen setzen, fördern und manchmal einfach auch nur lieb haben. Das ist viel mehr als ein 0815-Job.“ Der außerdem schlecht bezahlt wird und weder Nacht- noch Wochenendzuschläge – auch da ist manchmal einen Betreuung notwendig – bietet. Eine Tagesmutter muss ungeheuer flexibel sein, eine große Verantwortung übernehmen und Rückhalt in der eigenen Familie haben. Denn immer wieder mal müssen der eigene Mann oder die erwachsenen Kinder einspringen, wenn Termine anstehen, die einfach nicht verschoben werden können.

„Als Putzfrau würde ich, auf die Stunden gerechnet, ganz sicher mehr verdienen“, weiß Regina Tretter, die die Aufwendungen für das ein oder andere Spielzeug und das neu einzurichtende „Spielzimmer“ lieber gar nicht erst mit dem Einkommen als Tagesmutter verrechnet: „Aber das würde mich auch nicht so ausfüllen und so viel Spaß machen wie der Umgang mit den Kindern. Man muss viel geben, aber man bekommt auch viel zurück.“ Wie auf Kommando kommt Jasmin, kuschelt mit Regina Tretter und will mit ihr Karten spielen. Was in Aussicht gestellt wird, aber erst dann, wenn sie ihre Spielsachen aufgeräumt hat. Fast wie in einer „ganz normalen Familie“ eben.

Info: Wer sich angesprochen fühlt und sich für eine Tätigkeit als Tagesmutter interessiert, der kann sich völlig unverbindlich bei Nadine Polk (Telefon 06261/842106, nadine.polk@neckar-odenwald-kreis.de) oder bei Annette Jochims-Bradula (Telefon 06281/5212-2103, annette.jochims-bradula@neckar-odenwald-kreis.de) weitere Informationen beschaffen.

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