„Bildungspolitisches Fachgespräch“ der Grünen

MdL Renate Rastätter und Simone Heitz mit Konzept und konstruktiver Kritik


Diedesheim.
Renate Rastätter, schul- und bildungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion und frühere Realschullehrerin, kam zu Fachgesprächen nach Diedesheim in die „Krone“. Zusammen mit der grünen Kreisrätin und Landtagskandidatin Simone Heitz stellte sie sich den bildungspolitischen Fragen einer interessierten Eltern-, Schüler- und Lehrerschaft. G 8 war ebenso Thema wie die Werkrealschule und das inklusive Lernen von SchülerInnen mit und ohne Behinderung. Breiten Raum nahm das Bildungskonzept der Grünen ein, das LehrerInnen und SchülerInnen ganzheitlich betrachtet und das die Erfahrungen der Schulen vor Ort einbezieht. Ökologisches Wirtschaften und Bildung sind die zentralen Schwerpunkte Grüner Politik.
Grundsätzlich hätten die Grünen ein „langsames Starten und späteres Gas-Geben“ bei der Einführung von G 8 gefordert, so Renate Rastätter; wenn schon G 8, sollte die Verdichtung des Lernstoffes und die Erhöhung der Unterrichtsstunden nicht in der Unterstufe, sondern erst in der Oberstufe umgesetzt werden. Denn nach der Pubertät lernen viele Jugendliche zielgerichteter. Weiterhin kritisierte sie die Tatsache, dass die Durchlässigkeit zwischen Realschule und G 8 nicht mehr gegeben sei. Viele der anwesenden Eltern bemängelten die starke Fokussierung des Familienlebens auf das Thema Schule. Am Abend und an den Wochenenden würde mit den Kindern gepaukt.
Dieser Artikel ist mir was wert: [flattr btn=“compact“ tle=“Bildungspolitisches Fachgespräch der Grünen“ url=“//www.nokzeit.de/?p=8758″] Schule müsse lernen, Heterogenität zuzulassen und entsprechendes Lernen zu ermöglichen. Es gebe keine homogenen, höchstens annähernd homogene Schülergruppen. Migranten seien nicht gleich sozial Schwache, wurde zudem von den Anwesenden betont. Die Landtagsabgeordnete warb für inklusive Schulmodelle. Selbst an Gymnasien sei das ein gangbarer Weg, wie sie anhand von Beispielen aufzeigen konnte. Das Grüne Bildungskonzept sieht einen Klassenteiler von 25 vor. Die SchülerInnen sollen außer von der Lehrkraft noch von pädagogischen Fachkräften unterstützt werden. Kritisch wurde von den Gästen hinterfragt: „Haben wir genug Lehr- und pädagogische Hilfskräfte? Und reichen die finanziellen Mittel aus?“ Rastätter erläuterte, wie mit einer Pro-Kopf-Zuweisung und Umverteilung sowie über den demographischen Wandel Mittel freigemacht werden könnten. Denn, so Simone Heitz, es müsse gelten: “Wer bestellt, bezahlt.” Die Kommunen als Schulträger dürfen nicht die Leidtragenden sein, wie dies derzeit unter der CDU/FDP-Regierung geschieht. Eine Lehrerin an einem fachlichen Gymnasium fragte nach der Zulässigkeit und Sicherheit von Genversuchen in Schullabors. Der Schulverweis als erzieherische Maßnahme wurde in Frage gestellt. Betroffene SchülerInnen erlitten diesen wie einen Schicksalsschlag und würden nicht oder schwer wieder auf die Beine kommen.
Seitens der Grünen Jugend wurde von Anna Gonchar eine gute Lehrerausbildung mit einem frühzeitigen Praxis-Test angemahnt. Manche Lehrkräfte seien nicht in der Lage “schwierige“ Klassen zu unterrichten, jungen Menschen Freude am Lernfach zu vermitteln – das sei aber Grundvoraussetzung. Von Renate Rastätter und anwesenden LehrerInnen wurde ergänzt, dass Lehrkräfte oft unter psychischen Problemen litten und in Extremfällen sogar berufsunfähig würden. Durch den Beamtenstatus und die gegebene berufliche Fixierung („einmal Lehrer, immer Lehrer“) sei ein Wechsel in andere Arbeitsfelder nur sehr schwer möglich. Rastätter hält neben der nötigen Änderung der Lehrerausbildung mit dem fachwissenschaftlichen Bachelor, dem darauf folgenden Praxisjahr und dem erziehungswissenschaftlichen Master ebenso eine lebenslange Weiterqualifizierung ung und Supervision für angebracht und nötig. Die Wunschschule der Grünen ist eine Schule, die ähnlich der Waldorfschule konzipiert ist: neun Jahre gemeinsames Lernen – danach das Abitur für die, die möchten. Dieses Modell wird auch in vielen europäischen Ländern erfolgreich praktiziert. In der Schulpolitik wollen die Grünen nichts, so das Abschlussstatement von Renate Rastätter, was es nicht schon irgendwo gebe. Und vor allem wollen die Grünen Bildungsvielfalt bei vergleichbaren Standards ermöglichen.

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