Dikanda begeistert mit innovativen Rhythmen

von Martin Hammer

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(Foto: Michael Pohl)

Osterburken. Bereits zum dritten Mal veranstaltete die Kulturkommode in Zusammenarbeit mit der Weltgruppe Adelsheim/Osterburken ein Konzert in der Aula des Ganztagesgymnasiums Osterburken. In dieser Reihe waren bereits afrikanische Rhythmen und südamerikanische Samba-Klänge zu hören – diesmal war der musikalische Fokus auf Osteuropa gerichtet. In der Weltmusik-Szene gibt es dafür wohl derzeit keine besseren Vertreter als die Band Dikanda. Die sechs Musiker sind seit Jahren mit großem Erfolg auf Kleinkunstbühnen wie auf großen Folk-Festivals in ganz Europa unterwegs und konnten sich durch ihren mitreißenden und innovativen Musikstil schon etliche Folkpreise erspielen.

Der  1. Vorsitzende der Kulturkommode Michael Pohl bezeichnete in seinen kurzen Grußworten das Konzert mit Dikanda als das absolute musikalische Highlight im diesjährigen Programm und dankte in diesem Zusammenhang sowohl der Weltgruppe als auch der SMV des GTO für die gelungene Kooperation und Oberstudiendirektor Willi Biemer für die Möglichkeit, dieses Konzert in den Räumlichkeiten des Ganztagesgymnasiums durchführen zu können.

Im Namen der Weltgruppe gab Mechthild Hager ihrer Freude Ausdruck, dass das 20jährige Vereinsjubiläum gemeinsam mit der Kulturkommode und der Band Dikanda gefeiert werden könne. Die Aktiven hatten auf Stelltafeln eine Dokumentation über die Arbeit des Vereins erstellt und boten außerdem Waren aus dem Weltladen zum Verkauf an. Nicht zuletzt ging der Erlös des Büfetts an diesem Abend an das von der Weltgruppe unterstützte Projekt „Themba Lethu“, ein von engagierten Christen in Durban/Südafrika betriebenes Heim für HIV-infizierte Kinder und Jugendliche.




„Es spielt in Osterburken die beste Band der Welt!“. Dass der von der quirligen Frontfrau Ania Witczak zu Beginn des Konzerts zwar mit einem Augenzwinkern getätigte Ausspruch für das Genre Weltmusik aber durchaus seine Berechtigung hat, wurde sofort bei den ersten Stücken klar. Ein paar Griffe in die Tasten ihres Akkordeons, lebendige Gitarrenriffs und tanzbare Melodien der Violine – schon hatte das Sextett die Zuhörer in der GTO-Aula in ihren Bann gezogen. Die Fusion der Klänge aus Osteuropa und dem Orient und der musikalischen Stile vom Mittelmeer bis an die Ostsee sprachen wohl jeden an, denn Dikanda gelingt es, die Menschen auf die Tanzfläche zu ziehen und sie gleichermaßen tief im Herzen zu berühren. Diese spezielle Melange aus Melancholie und Lebenslust ist es, was das in Stettin vor 15 Jahren gegründete Ensemble ausmacht. Und natürlich der gemeinsame Spaß am Musizieren. Nicht umsonst ist Dikanda in einem afrikanischen Dialekt das Wort für Familie. Gemeinsam haben die sechs fabelhaften Instrumentalisten einen ganz eigenen Folklore-Stil geschaffen, der scheinbar keine Grenzen kennt und der mal von indischen Tablas (Perkussion: Daniel Kaczmarczyk), mal von an Flamenco erinnernden Gitarren-Riffs (Piotr Rejdak) und dem variablen Spiel des Kontrabassisten Grzegorz Kolbrecki rhythmisch getragen wird.

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(Foto: Michael Pohl)

Nicht nur optisch stehen allerdings die drei Frauen bei der Band im Vordergrund; ihre dreistimmigen Chor-Harmonien (besonders erwähnenswert: der Sopran von Katarzyna Bogusz) erinnern bei den getragenen Stücken beinahe an bulgarische Vokalkunst. Unter allen Instrumenten bekommt die Violine den größten Raum zur Profilierung. Katarzyna Dziubak spielt sie mal akzentuiert-rhythmisch, mal wehmütig-lyrisch, aber stets mit Hingabe. Die charismatische Ania Witczak schließlich wirbelt auf dem Akkordeon, singt und erzählt mit viel Euphorie auf deutsch über die Entstehung der Songs – zum Teil Überarbeitungen von Volksliedern, vor allem aber eigene Kompositionen, deren Texte auf „Dikandisch“, eine selbst entwickelte Kunstsprache, gesungen werden. Denn auch das ist ein Teil der Dikanda-Philosophie: man soll und man kann fühlen, wovon die Lieder handeln, man soll die Musik spüren im Herzen, Bauch und in den Beinen. Und im Grunde kann man einen solch begeisternden Abend auch nicht beschreiben; man muss ihn erlebt haben.

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