300 Jahre Odenwälder Wirtshausgeschichte

300 Jahre Odenwaelder Gastlichkeit

Gundi Link-Di Lenarda und Angelo Di Lenarda bei Schnapsfiltrieren im schönen Gewölbekeller des Hauses. (Foto: Liane Merkle)

Mudau. Im Jahr 1729 wird das Mudauer Gasthaus „Zur Rose“ erstmals urkundlich erwähnt. Das sind nahezu 300 Jahre Odenwälder Wirtshausgeschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Den großen Brand 1849 überlebte das Haus nahezu unbeschadet, dafür brannte es dann 1893 vollständig aus.

Natürlich war es für den damaligen Wirt finanziell höchstens „ein zweites Standbein“, aber das war bis vor gar nicht allzu langer Zeit normal. Auf dem Land musste man Selbstversorger sein, allein der Beruf als Metzger, Bäcker, Schuster oder Wirt – das war gerade im kargen Odenwald nicht drin. Und das galt auch für die Wirte in der „Rose“, die mittlerweile seit 1867 in der fünften Generation der Familie Link zu finden sind. Sogar noch der Vater der jetzigen Wirtin Gundi Link-Di Lenarda, Heinrich Link, war von drei finanziellen Standbeinen abhängig, die er nach dem frühen Tod des Vaters bereits im Alter von 17 Jahren ausüben musste.




Mit großem Respekt und ebenso großer Liebe zu den Eltern erinnert sich „s’Gundi“ noch gut daran, mit wie viel Herzblut die Eltern Landwirtschaft, Gasthaus, Brennerei und Familie bewältigt haben. Das Traditionshaus ist Gründungsgaststätte für rd. 80 Prozent der örtlichen Vereine und ihr Vater war in vermutlich allen Mitglied. Darüber hinaus begeisterte er seine Gäste mit seiner Musik und der herzlichen Gastfreundschaft, während die Mutter am Herd zauberte und die Liebe durch den Magen gehen ließ.

Diese Gastfreundlichkeit, die Liebe zur „Rose“, den Mudemern und zum Mudauer Odenwald wurde der heutigen Wirtin in die Wiege gelegt und zwar so mächtig, dass ihr Mann Angelo praktisch in diesen Sog eingezogen wurde. Der Norditaliener aus der Nähe von Udine ist eigentlich gelernter Dreher und kam 1968 über die Schweiz und Heilbronn nach Mudau, wo er zusammen mit einem Freund eine Tankstelle eröffnete und seine Gundi kennen lernte.

1979 heiratete das Paar und er ging bei Schwiegervater Heinrich „in die Brennerei-Ausbildung“, in die er sich mit Begeisterung stürzte, und die er 1981 mit dem offiziellen Brennerei-Schwur vor den Steuervollzugsbeamten abschloss. Mit großer Bewunderung spricht Angelo Di Lenarda von den unzähligen Preisen, die Heinrich Link für seine hervorragenden Schnäpse erhalten hat, obwohl er selbst seine diesbezüglichen Auszeichnungen auch schon nicht mehr zählten könnte.

Neun Schnäpse und drei Liköre, durchweg prämiert mit hohen Auszeichnungen, führt die Brennerei „Rose“ im Programm. Und die Zutaten stammen aus den eigenen Gärten oder Wäldern mit Ausnahme der Williams Christ Birnen den man seit neuestem zumindest vom Bodenseegebiet beziehen darf. Schon lange ist ihm der Mudauer Odenwald zur Heimat geworden.

„Hier ist meine Familie, hier sind meine Freunde und hier ist auch meine berufliche Erfüllung“. In Italien ist nur noch das leere Elternhaus. Da sind seine Wurzeln, doch Daheim – das ist Mudau. Hier hat kann er seine Leidenschaft für die „Brennerei Rose“ ausleben, während Ehefrau Gundi hauptsächlich für die Traditionsgaststätte verantwortlich zeichnet.

Kochen hat sie von der Mutter gelernt, in Bad Reichenhall die Hotelfachschule besucht und über mehrere Winter – im Sommer wurde sie zuhause gebraucht – war sie in Hotels an der Nordsee, in München und in England. Vielseitiger kann man fast nicht ausgebildet sein, vor allem, wenn man sich die Liebe zur Heimatgemeinde bewahrt hat und die Arbeit der Eltern so lange wie möglich am Leben erhalten will.

Gasthaus Rose

Das Gasthaus „Zur Rose“ wie es über viele Jahre ausgesehen hat. Äußerlich hat es sich mit den neuen Eingängen und neuen Fenstern nur unwesentlich geändert, von innen ist es vor rd. 10 Jahren komplett saniert worden. (Repro: Liane Merkle)

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2 Kommentare

  1. Schöner Interessanter Artikel! Nur eine Anmerkung:
    die Rose ist bereits in der achten Generation im Familienbesitz. Selbst für kinderreiche Familien sind 350 Jahre mit fünf Generationen nicht zu schaffen.:-)

  2. „Und das galt auch für die Wirte in der „Rose“, die mittlerweile seit 1867 in der fünften Generation der Familie Link zu finden sind.“

    Bei genauer Lektüre erkennt man, dass die Rose seit 1867 im Besitz der Familie Link ist und seither in fünfter Generation. Wer in den Jahren zuvor Wirt im Gasthaus war, wird gar nicht erwähnt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Hofherr

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