Keine Angst vor Wespen

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(Symbolbild – Carola68/Pixabay)

Mitarbeiter des Landratsamts sorgen für den Schutz der nützlichen Tiere

Neckar-Odenwald-Kreis. (pm) Für den derzeit viel diskutierten Schutz von nützlichen Insekten sind beim Landratsamt die Mitarbeiter des Fachdienstes Umwelt-Technik und Naturschutz zuständig. Diese weisen aufgrund der derzeit hohen Temperaturen auf den besonderen Schutz der heimischen Wespenarten, zu denen auch die Hornisse zählt, hin.
Die vielen verschiedenen Arten müssen im Einzelnen unterschieden werden: Vor allem das Vorkommen von Hornissen hat in den letzten Jahren immer wieder zu Anfragen beim Landratsamt geführt. Denn diese sind in der Dämmerung aktiv und fliegen dann, angelockt durch Licht, oft in Wohnungen.

Vielen Menschen flößt das Angst ein. Diese Angst ist oft unbegründet, denn die Hornisse ist im Allgemeinen wenig angriffslustig und weicht dem Menschen eher aus. Die Deutsche und die Gemeine Wespe kommen dem Menschen hingegen häufig auf der Suche nach Nahrung näher. Sie legen ihre Nester zudem in dunklen Hohlräumen an, beispielsweise in Rollladenkästen, unter Dachziegeln, auf dem Dachboden oder in Gartenhäuschen. Es gibt viele andere Wespenarten, die ihr Nest im Freien, oft auch unter Dachvorsprüngen, bauen. Diese frei nistenden Arten werden den Menschen meist nicht lästig und hinterlassen in der Regel keine Schäden, da die Anzahl der Insekten pro Volk bei diesen Arten recht klein bleibt. Als ebenso harmlos und friedfertig gegenüber Menschen gelten Wildbienen und Hummeln, die manchmal mit Wespen verwechselt werden.

Aber auch Wespen sind wesentlich ungefährlicher als manche Volksweisheit glauben machen mag. Der Fachdienst Gesundheitswesen des Landratsamts weist darauf hin, dass ein Wespenstich nicht gefährlicher sei als der einer Honigbiene. Gesunde Menschen, auch Kinder, seien weder durch Wespen- noch durch Bienenstiche lebensbedrohlich gefährdet. In Ausnahmefällen reagierten Menschen allergisch auf die Stiche. Nur dann sei nach einem Stich unverzüglich notärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ausdrücklich betont werden muss hingegen die ökologische Funktion der Wespen, die zur Ausgewogenheit unseres Naturhaushaltes beitragen. Denn Wespen sind Insektenjäger, die große Mengen an Blattläusen und Baumschädlingen vertilgen. Wespenlarven werden ausschließlich mit proteinreichen Insekten versorgt. Ein großes Wespenvolk verfüttert täglich in etwa so viele Insekten wie eine Meisenfamilie. Nur die ausgewachsenen Fluginsekten benötigen eine kohlenhydratreichere Nahrung, weshalb sie von süßen Speisen oder Getränken angelockt werden.

Daher sind die Tiere durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt und dürfen nicht ohne Weiteres gefangen oder getötet, ihre Wohnstätten nicht beschädigt oder zerstört werden. Dies gilt insbesondere für die Hornisse. Es ist verboten, ihr nachzustellen, sie zu fangen oder zu töten. In Härtefällen kann die Untere Naturschutzbehörde jedoch eine Ausnahme oder Befreiung erteilen.

Wenn Wespen einmal da sind, lässt sich mit ein wenig Umsicht die kurze Zeit mit den Tieren überbrücken. Fliegengitter vor den Fenstern verhindert das Einfliegen in Wohnungen, eine Stellwand kann die Ein- und Ausflugschneise günstig verändern, zumal Wespen- und Hornissenvölker nur einen Sommer lang Bestand haben. Nachdem Anfang Mai eine Königin einen geeigneten Nistplatz gefunden hat, entwickelt sich das Volk innerhalb der folgenden Wochen bis zum Maximum im August und September.

Im Herbst stirbt das Volk bereits wieder ab. Das Nest wird im folgenden Jahr nicht wieder verwendet. Nur begattete Jungköniginnen überwintern an einem geschützten Ort und suchen sich im folgenden Jahr einen neuen Nistplatz.
Damit die Zahl der Nützlinge nicht noch weiter zurückgeht, ruft das Landratsamt zu Toleranz auf. Begrüßt wird, dass die Diskussion über das Insektensterben den Blick auf die Tiere inzwischen zum Positiven verändert. Sollte es dennoch massive Probleme geben, stehen die Mitarbeiter des Fachdienstes Umwelt-Technik und Naturschutz für die Entschärfung von Konfliktsituationen und die Beratung Betroffener vor Ort zur Verfügung.

Hintergrund:

Wenn folgende Verhaltensweisen beachtet werden, hat man von Wespen und Hornissen wenig zu befürchten:
– Nicht anpusten oder nach ihnen schlagen
– Sonstige schnelle Bewegungen vermeiden
– Abstand von zwei bis drei Metern zu Nestern einhalte
– Fenster mit Fliegengittern versehen (besonders bei Kinderzimmern)
– Zwischen Fallobst nicht barfuß gehen
– Speisen abdecken, bei Getränken im Freien Strohhalm verwenden
– Nester nicht manipulieren
– Bei einem Stich ruhig bleiben und bei Bienen den Stachel entfernen, damit die Giftblase nicht zusätzlich in die Wunde gedrückt wird. Als Nicht-Allergiker genügt es, die Stichstelle mit Eis zu kühlen oder mit einer Insektenstich-Salbe zu bestreichen. Nicht kratzen oder reiben.
– Allergiker beachten bitte individuellen Verhaltensregeln

Für die Entschärfung von Konfliktsituationen und die Beratung Betroffener vor Ort stehen die Fachkräfte des Landratsamtes zur Verfügung:
Naturschutzfachkraft Lukas Schäfer, 06281/ 5212-1612, Lukas.Schaefer@neckar-odenwald-kreis.de, zuständig für Adelsheim, Buchen, Hardheim, Höpfingen, Mudau, Osterburken, Ravenstein, Rosenberg, Seckach und Walldürn.

Naturschutzfachkraft Fabian Österle, 06261/ 84 -1734, zuständig für Aglasterhausen, Billigheim, Binau, Elztal, Fahrenbach, Haßmersheim, Hüffenhardt, Limbach, Mosbach, Neckargerach, Neckarzimmern, Neunkirchen, Obrigheim, Schefflenz, Schwarzach, Waldbrunn und Zwingenberg

Interessierte Personen, besonders aus dem Kreis der Naturschutzverbände, der Hobbyimker, der Freiwilligen Feuerwehren und der professionellen Schädlingsbekämpfung, sind herzlich eingeladen, sich im Wespen- und Hornissenschutz einzubringen.

Beispielsweise kann durch Umsiedlung den Betroffenen geholfen werden, ohne das Wespennest zu zerstören. Das ehrenamtliche Engagement wird mit einer Aufwandsentschädigung und der Übernahme von Fahrt- und Materialkosten gefördert. Die Umweltakademie Baden-Württemberg bereitet mit kostenlosen Wochenendseminaren auf diese wichtige Naturschutzaufgabe vor. Entsprechende Seminare mussten aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 abgesagt werden. Für Nachholtermine im Herbst 2020 oder Frühjahr 2021 können sich Interessenten deshalb noch bei den Mitarbeitern des Fachdienstes Umwelt-Technik und Naturschutz melden.

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