Es flossen Lachtränenströme – Tatsache!

(Foto: Liane Merkle)

Mudau. (lm) Wieder einmal hat sich „Mudau G’schmackvoll“, diesmal unter Regie des MGV Mudau, selbst übertroffen. Zwar war der kulinarische Part auf Brezeln und Getränke reduziert, dafür war der kulturelle Teil nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Stefan Schäfer in der absolut ausverkauften Mudauer Odenwaldhalle um so gehaltvoller – zumindest in den Gedankenabläufen und in den Lacherfolgen.

Verbal dürfte man mit Rolf Miller doch eher auf dem Diät-Trip gewesen sein. Aber was für eine Super-Diät. Bei ihm ist weniger eindeutig mehr – „Tatsache!“ Man könnte ihn auch als DEN Meister des Weglassens krönen. „Tatsache!“ Angefangene Sätze ersetzen Dank seiner sprechenden Mimik und Gestik nachweislich ganze Dialoge. Anzunehmen ist auch, dass er der einzige Comedian ist, dem es gelingt, einen Witz nicht zu erzählen und doch die Lacher voll auf seiner Seite zu haben. Das sind „Tatsachen!“ wie er sie in seinem neuen Programm schildert.

Und genau das macht Rolf Miller aus, dieses WIE. Das WAS ist gar nicht so wichtig, und vor allem geht es nicht unter die Gürtellinie. Es sind seine fiktiven Freunde, wie z. B. Jürgen, auf deren Kosten sich der Zuschauer lustig machen kann mit dem, was Rolf Miller eben nicht sagt. In der Ankündigung war zu lesen: „Wenn Rolf Miller eine Pause setzt, tut sich danach mit explosiver Wucht ein grandioser Abgrund auf“. Diverse Medien drücken es so aus: „Wie Rolf Miller mit einfachsten Worten komplizierteste zwischenmenschliche, aber auch welthistorische Gesamtzusammenhänge auf den Punkt bringt, in dem er genau diesen zielsicher schlingernd umsegelt, ist ein Ausnahmefall des deutschen Humors.

Und die Jury des Deutschen Kleinkunstpreises urteilt: „Hinter der Pause lauert die Pointe“. En detail hört sich das etwa so an: „Eigentlich isch mers jo egal! Tatsache. Es interessiert mich net. Aber es is halt en Freund. De Jürgen. Dem seine is abghaue. Möbel weg. Alle. Gut es war’n ihre. – Des sen die Tatsache!“

Ein Stuhl, eine Flasche Wasser, wenige Worte und die in Dialekt, eigentlich ein Nervtöter – aber genau den gibt Rolf Miller so grandios, dass die Lachmuskulatur Minimum zwei Stunden unter Akkordleistung steht. „A6! – Ungebremst! — Aber i hab an A6 a noch nie bremse sehe! – Abblendlicht fehlt serienmäßig! – De Jürgen! – net! – zwei Woche Spezialklinik! Sie hawe vermutet, Schädelbasisbruch! Aber nix gfunne!“ Tja so war das mit seinem Freund Jürgen, der der Ansicht war, „eine Frau wo schweigt, die hat doch was zu sagen“, doch er selbst stand dann eher auf dem Standpunkt „eine Frau, wo schweigt, nicht unterbrechen!“ Dazu hatte er allerdings genau bei dieser keine Chance, denn die hörte nicht auf, ihm vorzuwerfen, dass er schuld an dem Desaster sei. Schließlich habe sie den Jürgen ja durch ihn kennengelernt. Dieser Vorwurf brachte Miller zu der Erkenntnis: „Diese Frau ist zu wahr, um schön zu sein. Meine Männerphantasien sehen anders aus.“ Die Geschichten um seinen Freund Jürgen, der fast dreieinhalb Jahre mit seiner Freundin ein Traumpaar gebildet hat, wobei sie sich die letzten zwei Jahre angeschwiegen haben tangieren das Programm immer wieder. Egal ob es um Fußball geht oder um die Weltwirtschaftskrise, um Rassendiskriminierung oder um Reinhold Messner und seine 3000er.

Wenn nach ihm die Sintflut kommen kann, sollte sie nur einfach nicht vor ihm sein. Und wenn dadurch Holland geflutet würde, stünde Deutschland endlich im Halbfinale. Seine Ideen sind teilweise so haarsträubend, dass die Lacher bis nach der Verarbeitung warten müssen. Aber sie kommen – und zwar überfallmäßig. Wer bei Rolf Miller nicht abschalten und loslassen kann, sollte sich unbedingt auf Depressionen untersuchen lassen. Kein anderer kommt auf die Idee, dass die Amis aufpassen müssen, dass sie nicht versehentlich in die USA einmarschieren oder dass man besser als Indianer denn als Schwarzer auf die Welt kommen sollte, weil ein Schwarzer mit der Panflöte in der Fußgängerzone nichts verdienen könne. Aber auch weil den Indianern das komplette Gen für die Alkoholverträglichkeit fehle und deshalb über 40 % am Feuerwasser sterben. „Das sind die Tatsachen!“ Dass wahre Lachtränenströme durch die Mudauer Odenwaldhalle flossen – Des sen annere Tatsachen!

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