Nahwärmenetz braucht Engagement der Bürger

Diplom-Bauingenieur Ulrich Grün beim Vortrag. (Foto: Liane Merkle)

Großeicholzheim. (lm) „Ich muss es immer wieder betonten: Dies ist ein Projekt, dessen Gelingen und Wirtschaftlichkeit für die Bürger von den Bürgern selbst abhängt“, so Bürgermeister Thomas Ludwig im Rahmen der Infoveranstaltung, die in der örtlichen Schlossgartenhalle erfreulich zahlreiche Interessierte, darunter auch Ortsvorsteher Reinhold Rapp, Ekkehard Brand als ehrenamtlichen Botschafter der Energieregion HOT sowie Energiefachmann Roland Salopek, erreicht hatte.

Die Rede war von der angedachten Installation eines Nahwärmenetzes, das ohne die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger nicht realisiert werden könne. Doch dazu brauche es vertrauensbildende Maßnahmen, wie es vor diesem Abend mit den Referenten Dr. Mathias Ginas als Leiter des Regionalbüros HOT, Dipl.-Bauing. Ulrich Grün und Daniel Lindorfer von der Rehau AG + Co sowie Konrad Rapp vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg die Infoveranstaltung in der Tenne und die Fahrt zum Nahwärmenetz Herrentierbach waren.

Dr. Ginter ging in seinen allgemeinen Ausführungen auf die Entwicklung der AWN ein, die sich vor allem als Nutzer, Anbieter und Förderer regenerativer Energien in der ganzen Region und darüber hinaus „einmischt“. Unter diese Rubrik fällt nahezu alles an „nachwachsender Energie“. Durchführung, Förderung oder Beteilung an Biomasse- oder Biogasanlagen zur Produktion von Strom und Wärme, Energiepflanzenplantagen oder Photovoltaikanlagen in Gemeinden oder kommunalen Liegenschaften. Die prämierte und ausgezeichnete Bioenergieregion HOT, so Dr. Ginter weiter in seinen Ausführungen, stehe unter der erfolgreichen Überschrift „Drei Kreise ein Energie-Management“.

Und hier würden die 400.000 Einwohner  rd. 10 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche für den Anbau regenerativer Energien nutzen. Dabei gelte es u. a. Energie autarke Räume hinsichtlich Strom und Wärme zu schaffen. Anhand des Nahwärmenetzes, das die AWN gerade in Rosenberg organisiert, konnte er den interessierten Zuhörern die Idee besser veranschaulichen. Allerdings sei dort der Glücksfall, dass man sich an die Verlegung der DSL-Leitungen anhängen könne. Als Ziele eines Nahwärmenetzes nannte er, dass Wärmeerzeuger und Netzbetreiber unbedingt getrennt sein müssen, dass die Sicherheit der Wärmeversorgung gewährleistet sein muss, ein Preisvorteil beim Wärmeabnehmer spürbar, die Aufteilung in Grund und Leistungspreis sinnvoll, keine netzbezogenen Investitionen durch den Wärmenutzer geleistet und eine klare Regelung der Schnittstellen vorliegen muss.

Ulrich Grün von der Firma Rehau stellte zunächst die Firma mit den Geschäftszweigen Automobilbau, Industrie und Bauwesen vor und erläuterte dann den Aufbau und die Besonderheiten des Spezialrohrs für Nahwärmenetze samt Isolierung und Hausanschluss sowie der bewährten Verbindungsstücke. Mit technischem Verständnis machte Ulrich Grün klar, warum ein solches Netz von vorne herein nur einen Reserveanteil von maximal 20 % haben und deswegen nicht beliebig lange erweitert werden kann. Nach diesem technisch fundierten Ausflug ging es weiter zur Finanzierung. Hierzu erläuterte Konrad Rapp vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg sehr ausführlich die Fördermöglichkeiten durch Bund, Land, EU.

Die Details dazu sind auf der Internetseite www.wege-zum-bioenergiedorf.de zu finden. Doch interessant könnte sein, dass die grobe Faustregel derzeit besagt, dass ca. 35 – 40 Prozent der förderfähigen Investitionen bezuschusst werden. Zahlreiche Fragen der Bürger, die damit eindeutig ihr Interesse bekundeten konnten im Anschluss über das Wie, Wann, in welcher Zeit und für wie viel Geld beantwortet werden. Wobei genauere Kalkulationen erst nach der Auswertung der derzeit laufenden Fragebogenaktion zu berechnen sind. Als Zugabe des Abends stellte Bauamtsleiter Roland Bangert noch die Miniaturausgabe eines Großeicholzheimer Nahwärmenetztes vor, das zwischen Grundschule, Schlossgartenhalle und Kindergarten seit vergangenen Montag am Netz ist.

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