Die Türme bleiben im Herzen

Die gesammelte Donebacher Faschnachtsprominenz erwies am 1. Jahrestag der Sprengung der Donebacher Sendetürme dem schmerzlich vermissten Wahrzeichen ihre Referenz. (Foto: privat)

Donebach. (sis) Emotional – vom Gefühl bestimmt. Damit lässt sich die Turm-Gedenk-Feier am ehemaligen Standort der Donebacher Sendetürme am treffendsten umschreiben.

Von 1967 bis zum 02. März 2018 standen die beiden 363 m hohen und vor allem bei Nacht weithin sichtbaren Türme auf einem ehemaligen Feldflugplatz zwischen Donebach und Mörschenhardt. Gut drei Jahre nach ihrer Abschaltung – der Lang- und Mittelwellensendebetrieb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks war schon Ende 2014 eingestellt worden – folgte die spektakuläre Sprengung.  

Doch zuvor nutzten sogenannte Roofer die Zeit ohne Strahlung, um die Türme zu besteigen (NZ berichteten).

In nur 20 Sekunden waren die Donebacher Wahrzeichen und Namensgeber der Donebacher Faschnacht, der Dumbocher Turmspatze, zu rund 600 Tonnen Stahlschrott zerfallen.

Im Jahr eins nach der Sprengung trafen sich am Jahrestag, der auf den Faschnachstssamstag fiel, über 100 Einheimische und Gäste am Ort des Geschehens. Ehrensache, dass die meisten ihr Turmspatzenkostüm anhatten. Auch der Turmspatzenwagen war dabei. Und Ehrensache, dass kaum jemand aus seinen Gefühlen einen Hehl machte. Nathalie Frank begrüßte die Gäste im Namen der Turmspatzen, der Siebenerrat sang mit Marina Roos ebenso wie Sebastian Sobo Schnetz wehmütige Lieder, Ortsscheller Norbert Betschn Schnetz verkündete die traurigen Nachrichten und Hubert Sämann hatte eigens gedichtet: „Heyt vor em Johr, die Trauer war schlimm, wisst ihr no, Faschenacht war grad rimm; uns Turmspatze die Träne in den Augen steht, wer weiß, wie das nun weiter geht?“ Und weiter: „Ihr seid keine Turmspatzen mehr, hör´ ich den Spott, ha ha, Eure Türme leiche am Bode, nur noch Schrott. Und wenn sie uns in Mudi uff der Prunksitzung jetzt Dreckspatze nenne, wisst ihr, was die uns alli kenne!?! Do dezu fällt mir nur eens ei: wer des seycht, des messe ganz groußi Maulaffe sein!“  Im Anschluss an die Feier zogen alle ins „Spatzennest“, das Sportheim, wo noch lange zusammen gesessen wurde. Anhand von Zeitungsartikeln konnte dort die Geschichte ebenso nachvollzogen werden wie mit dem Video von Alexander Willi Walz, auf dem alle wichtigen Stationen zusammengefasst und mit passender Musik arrangiert waren. Anton Ritzhaupt zeigte ein paar wenige Fotos der Türme vor und nach der Sprengung, ein Vorgeschmack auf die Fotoausstellung „Die Ästhetik in der Zerstörung“, die vom 11. März bis 30. April in der Sparkasse in Mudau zu sehen sein wird.

Fest steht: Donebach hat sein Wahrzeichen verloren, die Türme, die so vielen weit über Donebach hinaus vor allem nachts gezeigt haben, wo man daheim ist. Damit ist ein Stück Identität verloren gegangen, was die Einheimischen ehrlich betrauern. Fest steht aber auch: Die Donebacher vergessen ihre Türme nicht und die vielen Erinnerungen, die sie damit verbinden. Und, ganz wichtig: Sie werden auf ewig „Turmspatzen“ bleiben.

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