Gutes Jahr für Rebhühner im Schefflenztal

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Rebhühner im Schefflenztal. (Foto: Jan Wagner)

Rebhuhn-Schutzprojekt: Start lokaler Akteure unter Leitung des Regierungspräsidiums Karlsruhe

Schefflenztal. (pm) Im Schefflenztal ziehen künftig zahlreiche lokale Akteure an einem Strang, um dem Rebhuhn, das dem allgemeinen Schutz der Vogelschutzrichtlinie der Europäischen Union (EU) unterliegt, das Überleben zu sichern.

In der neu gegründeten Projektgruppe unter der Leitung des Naturschutzreferates im Regierungspräsidiums Karlsruhe engagieren sich die Naturschutz-, Landwirtschafts- und Jagdbehörde gemeinsam mit den Kommunen Schefflenz und Billigheim, dem Landschaftserhaltungsverband (LEV), dem Kreisbauernverband, dem Naturschutzbund (NABU), Vogelkundlern, Jägern und örtlichen Landwirten für den Schutz der Rebhühner in Schefflenz und Umgebung.

Das Naturschutzreferat im Regierungspräsidium Karlsruhe hat mit einer Auftaktveranstaltung im vergangenen Herbst in Schefflenz die vielen lokalen Akteure miteinander vernetzt. So können die einzelnen, notwendigen Aktivitäten, zukünftig noch besser koordiniert und auf ein gemeinsames Ziel ausgerichtet werden. Vorerst wurden sieben besonders relevante Kernzonen abgegrenzt, für die jeweils eigene Maßnahmenplanungen erstellt werden sollen.

Mit der Verstärkung der Heckenpflege werden die ersten Maßnahmen bereits zum Jahresanfang 2022 umgesetzt. Damit gewinnt das Projekt diesen Winter an Fahrt. Insbesondere interessierte Landwirte werden als weitere Kooperationspartner gesucht.

Das Engagement ist dringend notwendig. Das Rebhuhn ist zwar schon seit 1979 eine europäisch geschützte Vogelart, trotzdem sind die Bestände europaweit in den letzten Jahrzehnten um über 90 Prozent eingebrochen. Auch in Baden-Württemberg wird das Rebhuhn auf der Roten Liste Baden-Württemberg als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Als Bodenbrüter ist das Rebhuhn eine typische Vogelart der offenen, extensiv genutzten Feldflur. Die Nutzungsintensivierung der Landwirtschaft mit großen Ackerschlägen und Pestizideinsatz hat den Vögeln vielerorts nicht nur die Brut- und Aufzuchtlebensräume entzogen, sondern auch die Nahrungsgrundlage.

Das rund 100 Quadratmeter große Projektgebiet zwischen Mosbach, Billigheim, Seckach und Elztal ist dabei das bedeutendste noch verbliebene Verbreitungsgebiet des Rebhuhns im gesamten Regierungsbezirk Karlsruhe!

Übersichtskarte Projektgebiet mit Kernzonen – (Grafik: LUBW)

Hintergrund zum Rebhuhnschutz

Eine dringend notwendige Schutzmaßnahme ist in erster Linie eine Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung. Wichtig ist dabei, dass die Extensivierungsmaßnahmen möglichst flächig angewandt werden und nicht nur in Form von Randstreifen. Denn die Rebhühner haben einen mächtigen Feind: den Fuchs.

Da sie ihm im Unterschied zu den Jägern nichts entgegensetzen können, bleibt ihnen als Taktik nur das Versteckspiel. Gut getarnt haben sie in ausreichend großen Brachen oder Blühflächen eine Überlebenschance.

Mit Unterstützung des LEV, des Kreisbauernverbands sowie ehrenamtlicher Helfer wollen die Behörden Landwirte als Partner für den Rebhuhnschutz gewinnen. Dafür werden auch speziell auf das Rebhuhn zugeschnittene Förderinstrumente angeboten.

Von besonderer Bedeutung im Feldvogelschutz ist auch eine regelmäßige Heckenpflege. Durchgewachsene Hecken verkahlen von innen und bieten den Rebhühnern kaum mehr Schutz. Zudem dienen große Bäume Greifvögeln als Ansitzwarten. Hohe Gehölzbestände werden von den Rebhühnern daher grundsätzlich gemieden.

Was auf den ersten Blick rabiat erscheinen mag, dient dem Vogelschutz: Durch das sogenannte „Auf-den-Stock-setzen“, treiben die Heckenpflanzen neu aus und bieten als dichte und niedrige Hecke optimalen Schutz für Rebhühner und andere Vogelarten.

Um zu starke Eingriffe in die Gehölzlebensräume zu vermeiden, erfolgt die Pflegemaßnahme in der Regel abschnittsweise. Schon jahrzehntelang nimmt sich der NABU der Heckenpflege an, so auch die im Projekt beteiligten Gruppen aus Mosbach und dem Seckach- und Schefflenztal.

Aber auch Kommunen können einen Beitrag zum Schutz des Rebhuhns leisten: nicht nur durch die fachgerechte Gehölzpflege, sondern auch durch eine angepasste Weg- beziehungsweise Wegrandpflege. Hier ist weniger oft mehr. Die Wege sehen dann vielleicht nicht immer so aus, wie die Bürger es gewohnt sind, dafür finden die Rebhühner hier Nahrung und manchmal sogar einen geeigneten Brutplatz.

Um die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen zu kontrollieren, ist eine regelmäßige Datenerfassung notwendig. Die Rebhuhnpopulation im Projektgebiet wird bereits seit längerem von ehrenamtlichen Ornithologen erfasst. Seit 2021 geschieht dies systematisch im Rahmen eines landesweiten Monitorings der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg.

Unterstützung bekommen die Vogelkundler von interessierten Jagdpächtern, die die Rebhühner bei der Jagdausübung sichten und ihre Beobachtungen melden. Ganz unabhängig davon leisten sie auch mit der Fuchsbejagung selbst einen wichtigen Beitrag zum Feldvogelschutz.

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