50 Jahre Gemeinde Waldbrunn

Auf der Hochebene des Winterhauchs entstand die Gemeinde Waldbrunn. (Foto: M. Hofherr)

Waldbrunn. Am 01. Januar 1973 vollzogen die Winterhauch-Dörfer Oberdielbach, Schollbrunn, Strümpfelbrunn, Waldkatzenbach und Weisbach im Zuge der Kommunalreform der Landesregierung Filbinger den Zusammenschluss zur Gemeinde Waldbrunn. Als sechstes Dorf folgte Mülben im Jahr 1975.

In einer kurzen Ansprache, betonte Bürgermeister Markus Haas, dass Waldbrunn mehr sei, als die Summe seiner Ortsteile. Dies wurde auch von den Grußwortrednern, Minister Peter Hauk und Landrat Dr. Achim Brötel hervorgehoben. Wer noch daran zweifelte, wurde vom Verbundarchivar Dr. Marius Golgath überzeugt, der in seinem Festvortrag die fünf Jahrzehnt Revue passieren ließ.

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Verbundarchiv Dr. Marius Golgath. (Foto: Hofherr)

Die Verbindung erfolgte jedoch nicht von oben verordnet, sondern per Abstimmung in den einzelnen Ortschaften. Während es in Oberdielbach, Strümpfelbrunn, Schollbrunn und Weisbach deutliche Mehrheiten für eine gemeinsame Zukunft gab, fiel das Ergebnis in Waldkatzenbach mit 152 Ja- und 144 Nein-Stimmen knapp aus, während Mülben mit 108 Nein- und 59-Ja-Stimmen deutlich gegen eine Gesamtgemeinde votierte, ließ Archiv Dr. Marius Golgath die Versammlung im Rahmen des Neujahrsempfangs wissen.

Mülben kam erst 1975 zu Waldbrunn. (Foto: M. Hofherr)

Als Amtsverweser steuerte der Strümpfelbrunner Bürgermeister Alfred Habel am 1973 die Geschicke der Gemeinde Waldbrunn, bis am 25. März 1973 der Sozialdemokrat Gerhard Hauck aus Eberbach zum ersten Bürgermeister der Winterhauch-Gemeinde gewählt wurde. Er sollte 24 Jahre amtieren.

Es folgte mit Klaus Schölch aus Waldkatzenbach für weitere 16 Jahre ein sozialdemokratischer Bürgermeister, bevor 2013 der Christdemokrat Markus Haas zum Gemeindeoberhaupt bestimmt und im Jahr 2021 wieder gewählt wurde.

In den Anfangsjahren hatte man noch damit zu tun, mehrfach vorkommende Straßennamen zu ändern. So wurde aus der Hauptstraße in Strümpfelbrunn die Alte Marktstraße, um damit auch an die Marktrechte aus dem Jahr 1521 zu erinnern, während die Hauptstraße in Waldkatzenbach zur Freiherr-von-Drais-Straße wurde, womit man den Erfinder des Fahrrads würdigen wollte.

Auf Weisbacher Gemarkung wurden zwei Brunnen für die Wasserversorgung gebohrt. (Foto: M. Hofherr)

Dass es die richtige Entscheidung war, eine Gemeinde zu gründen, zeigt laut Dr. Golgath, die positive Entwicklung der Einwohnerzahlen. Von 4.194 Bürgern im Jahr 1972 wuchs Waldbrunn auf 4.800 Bürger im vergangenen Jahr.

Die deutliche Verbesserung der Infrastruktur wurde dank des Zusammenschlusses ebenfalls möglich. So sicherte man in den 1990-er Jahren die Wasserversorgung, die von 1994 bis 2004 Investitionen in Höhe von 5,7 Mio. Euro erforderlich machte. Durch das Gesamtkonzept mit zwei neuen Brunnen im Gewann Kreuzäcker und dem Tiefbrunnen im Gewann Eichwiesen wurde die Versorgung mit Eigenwasser langfristig gesichert.

Die Katzenbuckel-Therme ist ein touristisches Leuchtturmprojekt für den gesamten Landkreis. (Foto: M. Hofherr)

Der Bau des Kurzentrums, die Erweiterung und die Modernisierung, mit der einer Steigerung der Attraktivität sowie die Umbenennung in Katzenbuckel-Therme und somit die Realisierung eines touristischen Leuchtturmprojekts war auch nur durch die Bündelung der Kräfte machbar.

Darüber hinaus wurden die Dorfmittelpunkte in allen Ortsteilen aufgewertet, woraus nicht nur Dorffeste wie in Weisbach, sondern auch touristische Attraktionen wie der Kurpark in Mülben sowie die Kneippanlage in Schollbrunn realisiert wurden.

Oberdielbach durfte „seine“ Hauptstraße behalten. (Foto: M. Hofherr)

Mit der Sanierung der jeweiligen Rathäuser bzw. Schulen zu Bürgerhäusern für Vereine und Veranstaltungen verbesserte die Lebensqualität in allen Winterhauchdörfern, hob Dr. Marius Golgath hervor.

Weitere große Baumaßnahmen waren die Errichtung von Feuerwehrgerätehäusern in Strümpfelbrunn und Schollbrunn, der Bau bzw. die Sanierung von Friedhofskapellen und die Sanierung der Talstraße, die 2016 durch ein schweres Unwetter überschwemmt wurde, sodass große Schäden entstanden.

Mit dem Bau der Abwasser- und Regenwasserbeseitigung, der Trinkwasserversorgung, der Straßenbelag, den Gehwegen und der Erneuerung der Beleuchtung wurde das Projekt mit 5,4 Mio. Euro die teuerste Tiefbaumaßnahme in der Geschichte der Gemeinde Waldbrunn.

In Schollbrunn wurde in der Talstraße die teuerste Tiefbaumaßnahme in der Geschichte realisiert. (Foto: M. Hofherr)

Die Sanierung und Modernisierung des Rathauses in Strümpfelbrunn mit der Einweihung des Gerhard-Hauck-Saals sei ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Winterhauch-Gemeinde, erfuhren die Zuhörer von Dr. Marius Golgath.

Auch im Bereich der Kinderbetreuung bzw. der Bildung schulterten die sechs Ortsteile den Bau sowie die Sanierung der Kindergärten sowie der Winterhauch-Grundschule, die 1973 bezogen wurde. Nach diversen Sanierungsmaßnahmen an der Schule wird am Standort der Schule seit 2022 ein Kindercampus realisiert. Dort sollen nach der Fertigstellung sowohl Kindergärten, als auch die Grundschule untergebracht werden.

Die Kinder aus den Ortsteilen wachsen dadurch gemeinsam auf und profitieren vom zentralen Bildungsangebot, ließ Stadtarchivar Dr. Marius Golgath die Zuhörer wissen. Das Angebot einer Inklusionsklasse in Kooperation mit der Johannes-Diakonie ergänze das Bildungsangebot.

In Strümpfelbrunn steht nicht nur das Rathaus, sondern auch die Firma Mosca GmbH. (Foto: M. Hofherr)

Dank der Mosca GmbH und zahlreicher weitere Gewerbebetriebe, darunter das erst kürzlich eröffnete Postverteilzentrum des Logistikunternehmens DHL sorge für eine gute Ausstattung an Arbeitsplätzen.

Durch die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten und der guten Infrastruktur mit Einkaufsmärkten, Geschäften, einem Wochenmarkt, der Apotheke, Allgemeinmedizinern, Zahnärzten, Physiotherapie, Kreditinstitunten und der Post stünden Bürgern sämtliche Einrichtungen des alltäglichen und medizinischen Bedarfs vor Ort zur Verfügung, was Waldbrunn zu einer lebenswerten Gemeinde mache, was sich am Zuzug von Familien bemerkbar macht, so Golgath.

In Waldkatzenbach wurde aus der Hauptstraße die Freiherr-von-Drais-Straße. (Foto: M. Hofherr)

In seinem Fazit hob der Archivar hervor, dass die sechs Ortsteile die vergangenen 50 Jahren gemeinsam gemeistert haben. Sei auch das Zusammenkommen in den Jahren 1971 bis 1975 nicht einfach gewesen.

Die heutige Entwicklung der Gemeinde Waldbrunn im Bereich der Verwaltung, Schule, Kindergärten, Gewerbe, Arbeitsplätze, Tourismus und dem Vereinsleben zeige jedoch, dass der Zusammenschluss der sechs Ortsteile zu einem Erfolg geworden sei.

Die Winterhauch-Gemeinde habe damit die Zielvorgabe der damaligen Landesregierung zur Schaffung von gleichwertigen Lebensverhältnissen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. „Denn aus sechs finanziell angespannten Kommunen wurde eine finanziell solide Gemeinde mit weiteren Entwicklungsmöglichkeiten“, schloss Verbundarchivar Dr. Marius Golgath einen hochinteressanten Festvortrag.

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