Energiepark Neusaß II GmbH gegründet

(Foto: pm)
 Gerolzahn.(as) Die Landwirtschaftsfamilien Berres und Hennig, vertreten durch die Grundstückseigentümer Thomas Hennig und Carolin Berres, werden in Kürze gemeinsam mit der Stadtwerke Buchen GmbH & Co KG und der Stadtwerke Walldürn GmbH das Gemeinschaftsunternehmen „Energiepark Neusaß II GmbH“ gründen.

Hierzu wurde im Beisein der Bürgermeister der Stadt Buchen Roland Burger und der Stadt Walldürn Markus Günther, dem neuen Geschäftsführer der Stadtwerke Walldürn, Rudolf Hußlein, sowie dem Geschäftsführer der Stadtwerke Buchen Andreas Stein bei der Reinhard Berres GmbH in Gerolzahn ein Konsortialvertrag unterschrieben.

Geschäftsführer der neuen Gesellschaft sollen die bereits erfahrenen Geschäftsführer vom bestehenden Energiepark Neusaß, Heinrich Hennig und Andreas Stein werden. Die beiden privaten Investoren Carolin Berres und Thomas Hennig, sowie die Stadtwerke Walldürn werden an der Gesellschaft jeweils 20 Prozent und die Stadtwerke Buchen 40 Prozent der Anteile halten.

Die neue Gesellschaft möchte neben dem bestehenden Solarpark in Neusaß eine Agri-PV-Anlage mit einer Leistung von ca. 3 Megawatt peak (MWp) zur Erzeugung von elektrischer Energie bauen und betreiben.

Der Gemeinderat Walldürn hat am 21. November 2022 den Bebauungsplan und die Satzung gemäß § 10 BauGB beschlossen. Die Unterlagen für die Baugenehmigung werden in Kürze eingereicht. Vorab sind Baugrunduntersuchungen erforderlich, um die Standsicherheit der Modulbefestigung zu gewährleisten. Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist, noch im Laufe des Jahres mit dem Bau zu beginnen.

Eine Agri-PV-Anlage ermöglicht eine gleichberechtigte Doppelnutzung der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion bei gleichzeitiger Stromerzeugung. Geplant ist eine bifaziale (beidseitig nutzbar), senkrecht stehende Photovoltaikanlage in Ost-West-Ausrichtung, ein Konzept der Firma Next2Sun, bei der die Module auch direkte Sonneneinstrahlung auf der Rückseite in Strom umwandeln.

Die versiegelte Fläche beträgt nur rund ein Prozent und die bebaute Fläche wird um das sieben- bis achtfache geringer sein als bei einer klassischen PV-Freiflächenanlage. Zwischen den im Abstand von rund zehn Meter angeordneten, senkrecht stehenden Modulen ist eine annehmbare Landwirtschaft weiterhin möglich. Je nach Kultur gibt es sogar Vorteile für die entsprechenden Pflanzen, da durch die Module eine Beschattung und ein Windschutz entsteht.

Agri-Photovoltaik könnte eine doppelte Antwort auf den Klimawandel sein: Der Schattenwurf und der Schutz vor Westwinden kann Pflanzen zu besserem Wachstum anregen und gleichzeitig wird sauberer Strom produziert.

Die landwirtschaftliche Fläche, bestehend aus Grün- und Ackerland wird weiterhin von den Landwirten bewirtschaftet. Die Grünfläche kann als Geflügelweide genutzt werden und auf den Ackerflächen können niedrigwachsende Kulturen, wie Kartoffeln und Linsen angebaut werden.

Bereits seit 2009 sind die Stadtwerke Buchen GmbH & Co KG und die Hennig & Schneider GbR. am Energiepark Neusaß, der zum damaligen Zeitpunkt mit 3,2 MWp der größte Sonnenenergiepark in der Region war, beteiligt. Der für das jetzt entstehende Projekt „Energiepark Neusaß II“ geplante Standort beim bereits bestehenden Energiepark wurde deshalb gewählt, um die vorhandenen Netzanschlusskapazitäten mitzunutzen.

Denn durch die Ost-West-Ausrichtung kann die Einspeisung, netzdienlich, in den Morgen- und frühen Abendstunden erfolgen. Die vorhandenen Stromnetze können effizienter genutzt und so ein aufwendiger Netzausbau vermieden werden.

Bereits Anfang 2021 gab es erste Überlegungen von Heinrich Hennig, Reinhard Berres und Andreas Stein eine Agri-PV-Anlage zu errichten. Im August 2021 wurde Minister Peter Hauk MdL das Pilotprojekt vorstellt. Pilotanlagen haben zwar ein höheres unternehmerisches Risiko, aber eröffnen die Möglichkeit im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitung neue Erkenntnisse für die Landwirtschaft und den effizienten Netzbetrieb zu gewinnen.

Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz prüft derzeit Fördermöglichkeiten.

Der erzeugte Strom soll nicht nur von denen am Projekt beteiligten landwirtschaftlichen Betrieben genutzt, sondern insbesondere über die beteiligten Stadtwerke regional, im Rahmen eines Green Power Purchase Agreements (Green PPA) und somit ohne gesicherte EEG-Vergütung vermarktet werden.

Über die ebenfalls am Projekt beteiligten Kommunen Buchen und Walldürn, sind alle Einwohner der Region mittelbar an den Stadtwerken, den traditionellen Energie-Gemeinschaften, und zukünftig auch an der Agri-PV-Anlage in Neusaß beteiligt. Die Wertschöpfung wird somit langfristig in der Region gehalten.

Roland Burger und Markus Günther begrüßen nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Vorsitzende des Aufsichtsrats der jeweiligen Stadtwerke, die interkommunale Zusammenarbeit und die Stadtwerke-kooperation in dem neuen Gemeinschafts-unternehmen „Energiepark Neusaß II GmbH.“

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